Interview mit Daniel Häni in der SZ

Wie wird Geld ein Mittel zur Freiheit? Wie befreien wir uns von der Vorstellung, es ginge uns besser, wenn wir über andere bestimmen anstatt über uns selbst? Welche Auswirkungen hätte ein bedingungsloses Grundeinkommen durch die Fragen, die es stellt? Lea Hampel und Charlotte Theile von der Süddeutschen Zeitung haben darüber mit Daniel Häni gesprochen, einem der Gründer des Basler Kultur- und Kaffeehauses unternehmen mitte sowie der Schweizer Volksinitiative „Für ein bedingungsloses Grundeinkommen“.

Interview als PDF lesen:
Im besten Fall ist Geld Mittel zur Freiheit

 

Auszüge:

SZ: Was tun die Menschen, weil sie müssen?

Häni: Das ist eine gute Frage. Die sollte sich jeder täglich stellen: Was tue ich, was davon ist wirklich sinnvoll, was nicht?

SZ: Mit dem von Ihnen erstrebten Grundeinkommen gäbe es Lohn ohne Arbeit.

Häni: Nein, auch kein „Geld fürs Nichtstun“. Das ist ein Einkommen, um etwas zu tun. Geld ermöglicht, tätig zu sein.

SZ: Das heißt, Geld an sich ist aus Ihrer Sicht nicht schlecht?

Häni: Geld ist eine gute Erfindung. Im besten Fall ist Geld Mittel zur Freiheit. Wenn man aber dieses Mittel zum Zweck macht, werden wir zu ‚Sklaven des Geldes‘. So hat es Klaus Wellershoff, einst Chefökonom der Schweizer Großbank UBS, gesagt. Das ist die Tragik der Gegenwart.

(…)
SZ: Also haben wir das falsche Menschenbild?

Häni: Früher haben wir uns selbst versorgt. Das Produkt der Arbeit war für uns. Dann kamen Arbeitsteilung und Industrialisierung. Heute arbeiten wir fast ausnahmslos für andere. Aus Selbstversorgung wurde Fremdversorgung. Aber mental sind wir nicht mitgekommen. Obschon wir faktisch für andere arbeiten, arbeiten wir mental selbstversorgerisch für unseren Lohn. Das ist tatsächlich ein Menschenbildproblem.

(…)

SZ: Passt das bedingungslose Grundeinkommen besonders gut in die Schweiz?

Häni: Die Schweiz ist prädestiniert, weil man hier nicht auf die Idee kommt, dass das eine Sozialhilfemaßnahme wäre. Wir brauchen das nicht, weil Not herrscht. Und wir haben eine politische Struktur, die es ermöglicht, eine solche Debatte, bei der es um den Einzelnen geht, zu führen.

(…)

SZ: Welches Gegen-Argument nervt Sie?

Häni: Dass man es nicht finanzieren könnte. Diese Betriebsblindheit. Weil man es nicht zulassen will, dass Menschen mehr selbstbestimmen können. Das ist der Grund, weshalb man dagegen sein kann. Aber die Leute sagen: Man kann es nicht finanzieren.

(…)
SZ: Haben Sie schon Leute mit Grundeinkommen ausgestattet?

Häni: Wenn Sie und ich ein Grundeinkommen bekommen ist das nicht so interessant. Wirklich interessant ist, wenn aus Ihrem Gesichtspunkt die anderen ein Grundeinkommen haben. Dann ist die Frage: Passt Ihnen das, dass niemand mehr gezwungen ist die Klos zu putzen? Dass es weniger Abhängigkeit gibt?

(…)

SZ: Klassisches Gegenargument: Die Menschen würden nichts Sinnvolles mehr tun.

Häni: Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die Menschen würden aufhören, sinnvolle Sachen zu machen, weil sie nicht mehr müssen? Wahnsinn. Wie die Menschen heute denken über Menschen! Das Gegenteil ist der Fall: Mit dem Grundeinkommen verliert das Geld seine Macht und gewinnt seine Kraft.

Foto: Stefan Pangritz
Das ganze Interview als PDF lesen

 

 

FacebookTwitterGoogle+Google GmailPrint

Comments

  1. den Gedanken des Grundeinkommens sollte man prüfen und nicht vorschnell mit einem Abwehrreflex abschiessen. Wieviele Menschen arbeiten freudlos weil sie müssen? Wieviele machen eine wirklich sinnvolle Arbeit? Wieviele kranke Menschen haben wir in der heutigen Arbeitswelt? Was kostet uns das Alles? Das Grundeinkommen bietet den Handlungsspielraum um freier wählen zu können. Um auch mal auszusteigen und innezuhalten in der heutigen Maschinerie. Woher kommt dieses grosse gegenseitige Misstrauen? Wer will da worüber Kontrolle behalten? Angst das die Hirnwäsche von ‚zuerst die Arbeit dann das Vergnügen‘ flöten geht? Die Maschinerie wäre doch für den Menschen da und nicht wie heute umgekehrt! Das Leben und die Arbeit könnten ja Spass machen, nicht nur nach Feierabend! Finanzierungsproblem? Da müssten sich einige bewegen klar, aber für Freiheit und Handlungsspielraum lohnt es sich zu prüfen, damit Leute mehr das tun können was sie gern tun. Würd als Gegenleistung auch mehr Selbstverantwortung heissen.

  2. Guten Tag

    Danke für das aufschlussreiche Interview mit Daniel Häni.
    Ja, ja das Grundeinkommen hat schon seine Faszination. Leider, leider ist die Vorstellung einer „Freiheit II“ reine Imagination und Wunschvorstellung.

    Die „Freiheit I“ existiert tatsächlich und wird von vielen arbeitenden Menschen und Sozialhilfebezügern gelebt. Die Vorstellung aber, dass Menschen von sich aus tätig werden würden, wenn für Ihre Grundsicherung gesorgt ist, ist reine Utopie.

    Zur Stärkung meiner These füge ich unzählige Beispiele von Reichen und Plötzlich-Reichen an, die nicht mehr der täglichen Lohnarbeit frönen müssen, und deren Zinsen auf Guthaben oftmals auch so im Bereich von 2500 CHF pro Monat liegen. Davon können die leben. Die, die weiter arbeiten, verdienen oftmals weit mehr als 10000 CHF, so dass bei Denen der Anreiz gegeben ist. Jetzt aber zu denken, dass Menschen noch freiwillig aufstehen und für 500 CHF, 160 Arbeitsstunden leisten ist blauäugig, und naiv. Natürlich würden die kündigen. Man müsste Ihnen schon weit mehr bieten als heute, wenn die Löhne tatsächlich sinken, woran die Grundeinkommensbefürworter ja stets glauben.

    Wer die Anreize, die man auch bei Menschen hat, nicht nur bei Nagern, zerstört, muss sich nicht wundern, wenn er den Wirtschaftsstandort zerstört. Dabei muss man nicht einmal so weit gehen Menschen als reine Reiz-Reaktions-Wesen anzusehen, obwohl der Behaviorimus und die wissenschaftliche Psychologie das genau so sieht. Es genügt schon zu postulieren, das Menschen rational sind und sich nicht mehr dem Arbeitsleid aussetzen werden, wenn für Ihr Fortkommen gesorgt ist.

    Daniel Häni mag es gut meinen: was seine Träumereien in der Praxis tatsächlich anrichten würden, wäre fatal und zerstörend für die Wirtschaft und dadurch auch für die Menschen.

    • Das Grundeinkommen soll ja nur Grundbedürfnisse abdecken die eine Teilhabe am täglichen Leben ermöglichen. Die neusten Iphones, neue Laptops, Reisen, chique Kleider und vieles mehr wäre ja nicht damit inbegriffen und würde weiterhin auf materieller Basis einen Anreiz darstellen.

Leave a comment