Zu Ostern: Apostel Paulus jetzt auch für ein Grundeinkommen

„Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen“, soll er gesagt haben, der Apostel Paulus, erbitterter Christenjäger und bei Damaskus dann erster, dem der Aufgefahrene in geistiger Realität auf Erden begegnete. Das bekehrt.

In der Debatte um ein Grundeinkommen wird Paulus‘ Satz vom Arbeiten und Essen oft zitiert. Er steht dann zum Abschuss freigegeben als Moral mit der Knute, Menschenverachtend.
Tief sitzt der Satz im kollektiven Bewusstsein.
Es gab eine Zeit, in der jede Hand gebraucht wurde für die Herstellung des Lebensnotwendigen. Wer da seinen hungrigen Mund auftat ohne mitgeschafft zu haben, nahm den Anderen den Speck vom Teller. Oder die Petersilie. Mangel herrschte bei den Massen. Die Tafel bog sich nur beim Grundbesitzer. So ist der Satz in der jüngeren Geschichte denn auch lauthals gegen die gerichtet worden, die als reiche Säcke und Rentiers sich von anderen versorgen ließen ohne selbst etwas zu tun.

Doch wie hat Paulus sein Statement gemeint?
In den frühen Christengemeinden, die Paulus betreute, war die Erwartung des Himmelreiches nah. So nahe, dass manche meinten, zu arbeiten lohne sich nicht mehr. Logisch, oder? Das allerdings war schlecht für die Gemeinden. Denn die konnten nur bestehen, wenn alle etwas einbrachten. Paulus, der Apostel, wird sich geärgert haben vor allem über die Unehrlichkeit derer gegenüber sich selbst, denen die fromme Erwartung die Arbeit abnahm. Von den Leistungen der Anderen profitierten sie um so mehr. Wenn sie schon so dem Glauben hingegeben – eigentlich aber in einer Hybris der Heilsberauschung – auf die Arbeit verzichteten, weil ja Morgen alles Irdische ohnehin in den Zustand der Glückseligkeit übergeht, dann sollten sie, so Paulus, konsequenter Weise auch vom Essen Abstand nehmen. Logisch. Denn das ist dann ja auch überflüssig. Oder? Ein Anstoß zur Selbsterkenntnis war das, ein Wink mit dem Zaunpfahl und ein Satz mit Humor: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“ Wie ernst ist es euch denn mit der schon in Besitz genommenen Himmelserwartung? Bleibt mal auf dem Teppich! Wir haben noch kein Grundeinkommen! Es wird auch nicht deshalb kommen, weil einige es für sich wollen und sich um den Rest nicht scheren. Wenn ihr die Angenehmlichkeiten für euch vorwegnehmen wollt, dann nehmt bitte auch die persönliche Identitätsfrage schon mal vor. Das Grundeinkommen macht niemanden arbeitslos. Ganz im Gegenteil. Es nimmt euch kein Arbeitgeber mehr die Verantwortung für euer Tun ab. Ihr selbst könnt sie nicht mehr über den Zwang des Verdienstes abgeben.

 

So haltlos, wie der Satz „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen“ heute gebraucht wird, war er nicht. So zum Kuschen verdammend und eine Daumenschraubengerechtigkeit beschwörend ist er nur in unseren eigenen Hinterköpfen geworden. Die Blödheit des Satzes ist unsere Leistung! Doch die Bekehrung naht.

 

Es revanchiert sich der Apostel, indem gerade dieser Satz, „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen „, zum Spieß gegen die Spießer wird, zu einem maroden, leicht zu schleifenden Inbegriff einer Haltung, die jetzt vorgeführt wird, um ihre Absurdität zu belegen – und das Grundeinkommen zu fordern. Der Satz ist in seiner geschichtlich gewordenen Dekadenz ein Einfallstor für die überfällige Einsicht in ein bedingungsloses Grundeinkommen. Paulus sei Dank!
Der Apostel Paulus: für das bedingungslose Grundeinkommen.

Comments

  1. Das Schweizer Volk hat immer weniger Rechte wir haben nicht mal im Vergleich zu Deutschland das Grundrecht auf Existenzielle Minimum in der Bundesverfassung steht nichts dergleichen darum haben wir nicht mal die Möglichkeit vors Sozialgericht zu gehen und das Recht einzuklagen weil es gar keins gibt.

    Die errechneten Existenzminimums in der Schweiz sind so berechnet das es nie reichen wird und soziale Teilhabe nicht möglich ist dazu kommt noch das diese Angaben in den 70er funktioniert haben mögen aber heute nicht mehr es gibt auch keine Anpassung an die Teuerung der Lebenshaltungskosten.

    Die Schweiz ist ein Land wo die Politiker sich bereichern und das Volk nur Untertanen sind wenn’s gefragt wird bei einer Abstimmung zu aller letzt wird der Volksentscheid ignoriert es heisst dann so schön “ Der Bundesrat hat beschlossen “ Was für eine scheiss Demokratie des Fresse halten des Volkes die Maulkorbmentalität in der selbstgerechten Schweiz !

    Leute mit Kuscheln und leisem reden wird nichts erreicht das Volk muss auf die Strasse es nutzt nichts im Büro zu sitzen hie und da ein Gsprächli füerä ,schön das mir drüber gredet hei und gute isch .

    Gruess Walter

  2. Wo es hier schonmal um biblische Texte geht frage ich mich, warum die CDU nicht für das Grundeinkommen ist. Gerade als Christ habe ich doch das Menschnbild, dass der Mensch nichts tun muss um „gerecht“ zu sein (Martin Luther „Von der Freiheit eines Christenmenschen“).
    Das BGE geht nur einen Schritt weiter, da ich in der heutigen Gesellschaft nicht erwarten kann, dass jeder an Jesus glaubt.
    Das Grundeinkommen macht den Menschen frei, etwas aus intrinsischer Motivation heraus zu tun, Zwang ist immer schlecht und jeder Mensch will das Gute.

  3. Ohje, die doppelte Verneinung in Paulus´Zitat verkehrt diese Aussage natürlich ins Gegenteil.

    „Nicht, dass wir dazu nicht das Recht hätten,….“ muss es heißen.

    Gibt es einen Weg, diesen Fehler zu korrigieren?

    Beste Grüße

  4. Paulus´ 2. Brief an die Thessalonicher, 3. Kapitel, 8+9 sind zu lesen. Dort ist das Recht auf bGE als selbstverständlich erwähnt:
    (9) Nicht, dass wir nicht kein Recht dazu hätten.

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