Politiker lehnen das Grundeinkommen ab, weil sie Angst vor den Menschen haben

Kluge Analyse von Che Wagner zur Nationalrats-Debatte in der Tageswoche:

Politiker lehnen das Grundeinkommen ab, weil sie Angst vor den Menschen haben

 

Aus dem Text:

«Woher diese Angst? An manchen Stellen der Diskussion war zu erkennen, dass die Hauptursache der Angst in der prognostizierten Faulheit der Menschen liegt. Mit einem Grundeinkommen werden die Menschen faul, so die allgemeine Befürchtung. Besonders formulierte dies Peter Keller: «Es ist eine Ohrfeige für all diejenigen, die um 6 Uhr aufstehen und arbeiten.» Die meisten Voten handelten zwar davon, dass ein Grundeinkommen eine zu grosse Finanzierungslast bedeute und deswegen faktisch gar nicht einzuführen wäre.

Wenn dem so wäre, hätte die Politik ihr potentestes Merkmal, die Entscheidungsgewalt, verloren. Damit würde sie sich selbst aufgeben. Hinter vorgehaltener Hand herrscht indes Einigkeit: Die Frage ob ein bedingungsloses Grundeinkommen finanzierbar ist, ist eine Frage des politischen Willens.

Was aber, wenn das Grundeinkommen eingeführt wird und die Menschen nicht mehr mitmachen, einfach faul werden? Dann findet keine Wertschöpfung mehr statt. Dann gibt es keine Steuerneinnahmen mehr und schliesslich auch kein Grundeinkommen. Die grösste Gefahr lauert für die Politiker also in den Menschen selbst.

Das Abstimmungsergebnis am Ende eines langen Diskussionstags war dann auch ein Spiegel der gegenwärtigen Verhältnisse im Parlament (146 zu 14 Stimmen gegen das Grundeinkommen). Gerade vor den Wahlen heisst es für die Parteien: Jetzt nur nichts anbrennen lassen oder zu weit aus dem Fenster lehnen. Das klare Verdikt des Nationalrats steht einer parallel gestarteten Umfrage im «Tages-Anzeiger» diametral entgegen. Dort sind 49 Prozent für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.

Dennoch: Die Debatte hat sich gelohnt. Das fand auch Bundesrat Berset: «Eine solche Debatte überhaupt führen zu können, hier im Schweizer Parlament, hat einen grossen Wert.»

Die Debatte hat der Idee und der Bewegung Grundeinkommen gut getan. Im Winter wird sich der Ständerat dazu äussern, dann sind die Bürgerinnen und Bürger am Zug. In der classe politique hat sich die Angst verdichtet und die Gefahr wurde identifiziert: die Menschen dieses Landes und die potenzielle Epidemie der Faulheit. Bis zur Abstimmung im Herbst 2016 wird zu erleben sein, ob und wie stark dieses gefährliche Volk auch Angst vor sich selbst bekommt.»

Comments

  1. Guten Tag meine Damen und Herren

    Dies wird vermutlich mein letzter Post sein.
    Warum?

    Es ist mir in den Sinn gekommen, dass das Grundeinkommen vollständig illusionär ist und eh nie umgesetzt werden kann. Es kann nicht länger als 1-2 Monaten funktionieren. Mein Kampf gegen das Grundeinkommen gleicht daher dem Kampf gegen Windmühlen.

    Ich finde es viel spannender die realitätsanerkennenden Modelle von Solow und Aleksander Berentsen von der Universität Basel durchzurechnen. Da sieht man wirklich, was man hat und erkennt die Wirklichkeit so an, wie sie ist.

    Das Buch von Häni und Kovce hat auch das seine dazu beigetragen, dass mir die Lust am Versalzen der Suppe etwas verloren gegangen ist. Das Buch ist nicht philosophisch, sondern theologisch oder theosophisch!
    Man argumentiert gegen Gläubige! Die Frage ob es ein Grundeinkommen geben kann ist genau so absurd ob es einen Gott geben kann: Solange es nicht die geringstmöglichste Evidenz dafür gibt, muss jeder rationale Mensch eine solche Hypothese ablehnen.
    Ja, die Befürworter zitieren in ihrem Buch sogar an mehreren Stellen die Bibel und berufen sich auf einen Gott.

    Ich habe immer gedacht, dass die Befürworter rationale Argumente für ihren Glauben haben, aber jetzt wird mir klar, dass sie selbst sich apologetische Argumente suchen müssen um ihren GLAUBEN zu rationalisieren.

    Ich dachte immer das Grundeinkommen sei so eine Art Kommunismus, doch jetzt wird mir klar, dass es eher die Paradies-Vorstellung des Alten Testamentes ist, die den Gläubigen des BGE zugrunde liegt.

    Ein Bericht einer Zeitung wies zurecht auf die Zusammenhänge von Grundeinkommen und der Theosophie von Steiner hin. Im Unternehmen Mitte werden die Gesamtwerke Steiners einem ja regelrecht aufgedrückt zu lesen.

    Kurz gesagt gilt also: Das Grundeinkommen ist Theologie und nicht Philosophie, wie immer behauptet wird. Da ich keine Lust verspüre mit Gläubigen über ihren Glauben zu streiten, werde ich mich in Zukunft eher raushalten. Das Grundeinkommen ist Religion, für das Volk!

    • schade Markus Fenner, auch wenn sie ein unverbesserlicher Besserwisser sind, ihre Beiträge mit ihren abstrusen Argumenten werden mir fehlen, da sie mir/uns aufgezeigt haben aus welchen Tiefen die Gegner ihr Gedankengut schöpfen.
      Vielleicht wird es tatsächlich soweit kommen, dass die unpolitischen Nichtwähler mit dieser Initiative mobilisiert werden, während die Gegner mangels Alternativen das Handtuch werfen.

  2. die Mehrheit geht davon aus, dass unsere Faulheit zu einem Problem werden könnte. bedeutet dies vielleicht auch, dass eigentlich allen klar wäre, dass wir, die Arbeitnehmer/Innen, die das System tragen, wider unserer Natur Arbeitstätigkeiten nachgehen?
    warum gibt es Menschen, die sich durch einen besseren Lohn mehr Freizeit und Freiheit erhoffen? weshalb soll es auch in Zukunft, nur einer kleinen Minderheit gegönnt sein, ihr Leben ohne finanzielle Sorgen gestalten zu können?
    das Bedürfnis auf ein harmonischeres und gerechteres Zusammenleben scheint sich mehr und mehr zu einem Grundbedürfnis durchzusetzen. und daran sollten wir ‚arbeiten‘! den Mut nicht verlieren und uns solidarisch zeigen und auch so handeln!

  3. Wenn es um die Meinung der Politiker geht, mache ich mir keine Sorgen. Sobald die Politiker feststellen müssen, dass sie als Gegner des Grundeinkommens nicht mehr gewählt werden, werden sie ihre Meinung blitzartig ändern. Stimmen sammeln in der Politik ist fast das gleiche wie Geld sammeln in der Wirtschaft.
    Die Mehrheit der Politiker betrachten ihre Mitmenschen als dermassen unbeständig und labil, dass sie wegen einem Grundeinkommen faul werden sollen ??
    Im heutigen Konkurrenz-System wird diese Meinung wohl kaum jemand überraschen. Ich muss täglich beweisen, dass ich schneller, besser, klüger, jünger und schöner bin als andere. Dieses sozialdarwinistische Zuchtprogramm erlaubt es mir nicht, etwas Positives an meinen Mitmenschen zu sehen oder sie sogar als Freunde zu erkennen. Mit dem BGE verschwindet der Energie-Verlust für Krieg und Kampf und wird zum Energie-Gewinn für die Arbeit. Arbeiten und Kämpfen sind zwei verschiedene Dinge.
    Nur die Natur kann uns konstant ernähren. Mit einem Arbeits-Zwang machen wir jedoch aus der Arbeit eine Konstante und aus der Natur eine Variable. Diese Dummheit können wir uns nicht mehr leisten. Wir haben schon genug Schaden im menschlichen und ökologischen Sinne angerichtet.
    Ein klares JA für das BGE.

    • Wie bei der Erbschaftssteuer ist auch beim bed. Grundeinkommen im Initiativtext keine Zahl genannt.
      Viele Gegner werden das als grossen negativen Punkt einbringen.
      Nun, der Betrag könnte z. B. auch 2000 Fr. sein. Es müsste sowieso praktisch jeder noch etwas dazuverdienen. Auch 2500 Fr. reichen nicht, wenn ich z. B. an die Krankenkassenprämien und die zum Teil hohen Mietpreise denke.
      Aber jeder könnte sein Arbeitspensum abbauen. Viele würden weiterarbeiten wie bis jetzt, weil sie mit ihrer Freizeit nicht allzuviel anzufangen wissen.
      Es ist klar, dass die nationalen Politiker dagegen sind. Sie verdienen ihre Brötchen besonders leicht. Oft sind sie nicht einmal im Bundeshaus. Bei Debatten hören sie einander kaum zu…und die Kommissionsarbeit ist gut bezahlt.
      Wenn ich da an die Strassenarbeiter und Bauarbeiter denke, welche oft in der Hitze oder bei schlechtem Wetter Knochenarbeit verrichten. (Chapeau!) Oder
      die Arbeiter in Grosskonzernen, die den ganzen Tag auf den Füssen sind. Und dann noch alle, welche besondere Drecksarbeit verrichten (Reinigungsfachkräfte).
      Es wird immer mehr Arbeitslose geben, weil Maschinen den Menschen ersetzen.
      Übrigens: Die Finanzen wären vorhanden. Sie sind nur sehr ungerecht verteilt!
      Die Gedanken von Claude Vuillaume könnte ich auch unterschreiben!
      Ich bin auch für das BGE.

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