Der Spielverderber – Interview mit Daniel Häni

GDI Impuls: Eine Mehrheit bei der Volksabstimmung zum bedingungslosen Grundeinkommen im Jahr 2016 zu erwarten, wäre blauäugig. Aber schon bei Zustimmungsquoten von mehr als 25 Prozent prognostizieren die Initiatoren einen Durchbruch für die Grundeinkommensidee in den kommenden zwei Jahrzehnten. Ob die Abschaffung jedes ökonomischen Drucks eher zu dekadenten Zuständen wie im alten Rom oder zu produktiven Zuständen wie bei den alten Griechen führen würde, bleibt weiterhin umstritten:

 

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Interview von Detlef Gürtler mit Daniel Häni. Gürtler ist Chefredaktor des vom Gottlieb Duttweiler Institute herausgegebenen Magazins GDI Impuls.

Foto: Adri Pool

 

 

Ausschnitt aus dem Gespräch:

Haben sie den auch so etwas wie ein Lieblingsgegenargument?

Das habe ich tatsächlich. Es ist von Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel: Das Grundeinkommen verstosse gegen die Menschenwürde.

Kühn.

Ja, man muss erst verstehen, wie Köppel denkt. Meine „Forschungen“ sind so weit gediehen: Er meint wohl, dass ein Grundeinkommen hinderlich daran sei, uns auf Teufel komm raus im Leben durchzusetzen, so wie es die neoliberale Ideologie verlangt. Die Köppel’sche Menschenwürde besteht vermutlich darin, dass sich der Einzelne selbst versorgt und keinenfalls auf staatliche Verbindlichkeiten angewiesen ist.

Sich selbst versorgen können und unabhängig von staatlicher Versorgung zu sein, klingt aber nicht unattraktiv.

Ich halte das für einen Grundlagenirrtum: Erstens ist es faktisch falsch, weil wir längst nicht mehr in einer Selbstversorgergesellschaft leben, und zweitens ist es ineffizient, weil sich im Köppel-Weltbild immer nur einige durchsetzen – also hat man Gewinner und Verlierer, und entsprechend grosse Schäden.

Und bei Ihnen gewinnen alle?

Ja, das ist die Richtung. Ich halte nichts vom Darwinismus. Ich glaube, das nervt auch viele. Wenn man ein Spiel spielt, und dann lässt einen der andere gewinnen – das ist doch ein Spielverderber!

Gibt es denn überhaupt ein Gegenargument, das Sie überzeugt?

Eines halte ich für besonders bedenkenswert. Es kommt von dem ehemaligen Eidgenössischen Preisüberwacher Rudolf Strahm, ein Linker übrigens. Er sieht seine Lebensaufgabe darin, dafür zu sorgen, dass die Jugendlichen gut ins Studium und in den Beruf kommen. Wenn es jetzt ein bedingungsloses Grundeinkommen gäbe, wenn die Jugendlichen plötzlich nicht mehr müssen, sondern können, läuten bei Strahm die Alarmglocken. Er meint, sie würden dann gar nichts mehr machen – sein Lebenswerk fiele auseinander. Und in der Tat: Wenn ich mich in den Konsummeilen am Freitag oder Samstag umschaue, frage ich mich auch manchmal, warum ich Idiot noch ein Grundeinkommen vorschlage.

Aber Sie halten sich doch nicht wirklich für einen Idioten?

Ich unterliege dem gleichen Vorurteil wie viele andere auch. Wenn ich mit jedem einzelnen Jugendlichen, den ich da beobachte, persönlich sprechen würde, würde sich das Urteil vermutlich umdrehen. Dass die anderen faul sind, ist ein Pauschalurteil, und es ist bequem, das als Decke über alle zu legen. Bequem und falsch.

 

Zum ganzen Interview

 

 

 

Comments

  1. Was das Thema Grundeinkommen betrifft darf auf keinen Fall alles ueber einen Kamm geschaert werden.
    Der Trend heutzutage ist die Oberflaechlichkeit. Das ist was mir als sogenanntes Nachkriegskind immer mehr auffaellt.
    Die Situation der Arbeitslosigkeit und Armut wird wachsen. Grundeinkommen sollte eine Unterstuetzung sein mit der Moeglichkeit der Weiterbildung oder Arbeit fuer die Gemeinschaft je nach Alter. Nur kassieren alleine ist meiner Ansicht nach gefaehrlich.

    • Liebe Frau Muellenberg, wenn sie Bedingungen stellen an das Grundeinkommen, hätten wir die Situation, die wir sie bereits haben. Nämlich, dass wir niemanden verhungern lassen in unserem Land, daran aber Bedingungen knüpfen, wie Krankheit, nicht arbeiten, aber sich um Arbeit bemühen etc. Anderes gesagt: ein Grundeinkommen für alle haben wir ja bereits, nun ist die Frage, ob es nicht klug wäre, den Teil aller Einkommen, den wir unbedingt brauchen, bedingungslos zu machen?

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