Interview mit Christian Müller

Ein kluges Interview von Christian Müller in der pszeitung der Zürcher Sozialdemokraten:

Bedingungslos, bitte – aber mit Köpfchen PDF 2 Seiten

Ausschnitt:

Wäre in den vergangenen 50 Jahren ganz ohne Druck gearbeitet worden, wäre möglicherweise der Wohlstand ausgeblieben – womit wir auch kein Problem damit hätten, ihn gerecht umzumünzen…

Das glaube ich nicht. Für gesellschaftliche Innovation und Wohlstandssteigerung ist Druck ein schlechter Motor. Was seither sicher stattgefunden hat, ist eine Entwicklung, und jetzt ist es Zeit für den nächsten Schritt. Einst gab es die Sklaverei, dann wurde sie abgeschafft, es entstanden Demokratien, vor gut 40 Jahren bekamen die Schweizerinnen das Stimmrecht, und jetzt kommt das bedingungslose Grundeinkommen für alle. Entscheidend ist, dass dadurch Angst und Druck abnehmen. Ansonsten gibt es kein Patentrezept. Wie gesagt: Es ist nur ein Entwicklungsschritt, also etwas ziemlich Unspektakuläres.

Das sagen Sie – aber kaum war die Initiative lanciert, waren die ersten Berichte dazu erschienen, setzte es auch schon böse Kommentare ab.

Natürlich ist in dieser Idee Zündstoff drin; trotzdem ist eine nüchterne Betrachtung nicht nur möglich, sondern angebracht. Wichtig ist vor allem eines: Es geht nicht ums Geld.

 

 

 

Comments

  1. Gerade auf agile.ch „Zu viel ist zu viel“ gelesen. Die IV-Rente bei Behinderungsgrad 72% würde, bei Revision 6b, noch 1’296.- (vorher 1800.-) betragen. Betroffene würden zwangsläufig bei der Sozialhilfe landen. Tatsächlich ist das System krank. Herr Müller beschreibt es richtig. Die Sozialarbeit in den Sozialdiensten ist keine Sozialarbeit mehr. Denn SozialarbeiterInnen hätten die Aufgabe Möglichkeiten zur Selbsthilfe aufzuzeigen. Was nun seit Jahren getan wird, ist Aneignung von Hilflosigkeit durch Knapphalten der Geldressourcen. Dass Erwerbslose und Sozialhilfeempfänger sich auch noch in Massnahmen verdingen sollen, an denen wiederum Arbeitgeber verdienen, ist grotesk. Ganz zu schweigen von den Demütigungen, dem Generalverdacht, der darauf gründet, dass es kaum möglich ist, mit diesem Geld zu leben. Ein Beispiel: Sozialhilfeempfänger bekommt 1900.- pro Monat (Miete, KK, Lebensunterhalt), muss 100% im Putzdienst einer Firma arbeiten, welche vom Staat dafür 2000.- (Quelle nicht überprüft, Infos sind schwer einzuholen) pro Monat kassiert. Desselbe mit den Erwerbslosen. Was jedoch als Integration gedacht war, führt zur Sackgasse, denn die betroffenen Menschen werden zu oft mit den Massnahmen zusätzlich isoliert und demotiviert, erleben keine Selbstwirksamkeit mehr. Weitere Quellen: kabba.ch, ivinfo.wordpress.ch. Die Initianten müssten bei diesen betroffenen Menschen vorstellig werden (Gassenküchen, Notschlafstellen, usw). Wenn man bedenkt, dass ca. 50% der Erwerbstätigen in der Schweiz unter 5000.- pro Monat verdienen, weiss man, welches Risiko hier besteht. Denn mit dem Arbeitsverlust hat man mit 70% des bisherigen Lohnes auszukommen, wird sehr rasch ausgesteuert und hat dann vom Ersparten zu leben, alles zu verkaufen, umzuziehen, übersteigt die Miete die Vorgabe des jeweiligen Sozialdienstes. Dieser Druck ist ungut für unsere Gesellschaft, denn etwas hat man erreicht: keiner will die Arbeit verlieren, und nicht selten gerät man genau so in immer prekärere Arbeitsbedingungen. Es kann nicht in unserem Interesse sein, Menschen derart an den Rand zu stellen, nicht sehen zu wollen, dass sie springen.

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