Ausgearbeitet? Artikel zum Grundeinkommen in der ZEIT

 

Nach brand eins berichtet auch die ZEIT zur Lancierung der Volksinitiative in der Schweiz. Ein guter kritischer Artikel, aber mit wenig überzeugenden Gegenargumenten:  Das Grundeinkommen sei nicht gut, weil es „eine schlechte Idee“ sei. Und „Ja, sie ist sogar gefährlich.“ Von Matthias Daum.

Ein Grundeinkommen für alle Schweizer fordert eine Volksinitiative

 

Auschnitt:

Aber rechtfertigt das, die Sozialwerke in ihren Grundfesten zu erschüttern?

»Solche Fragen zu diskutieren gehört zur Demokratie«, sagt Monika Bütler, Volkswirtschaftsprofessorin an der Universität St. Gallen und eine intime Kennerin des Schweizer Sozialversicherungswesens. Aber von der Idee, jedem Schweizer 2.500 Franken zu überweisen, hält sie nichts: »Wir haben in der Verfassung bereits ein garantiertes Grundeinkommen. Aber es ist nicht bedingungslos – und das ist richtig so.« Wer Geld vom Staat brauche, der müsse halt »die Hosen runterlassen, wie dies die Steuerzahler auch machen müssen«. Wer nicht arbeiten möchte, der habe selber die Konsequenzen zu tragen.

Doch genau das wollen die Initianten nicht. Denn die Konsequenzen tragen heißt immer Geld zu verdienen. Diesen Zwang wollen sie abschaffen. »Schon in der vierten Primarschulklasse sagte man mir: Du musst nun gute Noten nach Hause bringen, es geht um den Übertritt ins Gymnasium«, erzählt Daniel Straub. In einer Schweiz mit Grundeinkommen, so die Idee, muss sich niemand um sein finanzielles Überleben kümmern, er ist frei im Kopf für andere Dinge. Große Dinge, wichtigere Dinge als Geldverdienen. Oder wie Daniel Häni sagt: »Wenn es nicht mehr nur ums Geld geht, werden sich Menschen mehr umeinander kümmern.«

Stimmt das, oder schließen die Initianten nicht einfach von ihrem Leben, ihrem Verhalten auf jenes der Mehrheit?

Straub erzählt begeistert, wie selbstständig die Kinder in seiner Montessori-Schule ohne Zwang gelernt hätten, Müller baut zurzeit eine Gemüsekooperative auf, Häni führt sein Café als gemeinnützige GmbH, und der deutsche Götz Werner ist ein bekennender Anthroposoph. Sie alle machten die Erfahrung, dass es sich in einer kleinen, exklusiven Gemeinschaft, der man freiwillig beitritt, ohne die herrschenden Paradigmen leben lässt.

Wieder greift Daniel Straub zu seinem Stift, diesmal zeichnet er auf ein gebrauchtes Kuvert. Zwei Worte, Arbeit und Mensch, und einen Pfeil. »Wir wollen unsere Abhängigkeit von der Arbeit lockern«, sagt er. Erst dann könne Tolles entstehen. »Wir könnten den Individuen mehr Möglichkeiten geben, um auf ihre innere Stimme zu hören. Was jeder mit dieser neuen Freiheit macht, muss er selber entscheiden.«

Comments

  1. Ich lasse seit sieben Jahre die besagten Hosen vor der Privatwirtschaft runter, da ich in der IV-Falle gefangen. Es erscheint als müsse ich mir auch noch die Unterhosen ausziehen lassen. Die Privatwirtschaft gibt dem Menschen die Chance sich zu beweisen nicht. Wenn einmal rausgefallen. 120% oder 50 Stunden zu arbeiten wie ichs zuvor, zwölf Jahre (gar mit immanenter Begeisterung) gemacht ist unmöglich.
    Wieder aufwärts zur erschaffenden Tätigkeit zu finden, das liegt in meiner Kraft. Denn der Wille ging nie verloren aber ohne 100-120% Leistung bin ich nicht angenommen.

    Doch je länger man in dieser Zeit aussortiert,
    umso schwerer wirds. In der monetär gesteuerten Gesellschaft sind wir Roboter mit zwei Leben. Das eine daneben in Arbeitshaft. Das Zweite im Virtuellen vergeben seiner Geheimnisse.

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