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  1. Hallo,

    ich versuche das Modell irgendwie nachzuvollziehen. Zum Verständnis:
    Welchen Lohn zahlt bei diesem Modell ein Arbeitgeber, wenn jemand nur 2.000.- verdient?
    Wie hoch wäre denn die Grundeinkommensabgabe für den Arbeitgeber?

    Was ist, wenn jemand zwei Jobs a 2.000.- hat? Zahlt dann der eine Arbeitgeber keinen Lohn und der andere 1.500.-?

    Wie sieht es z.B. beim selbständigen Flohmarkthändler aus? Muss er seine Nettoeinnahmen von 2.500.- wieder abgeben und er bekommt dafür das Grundeinkommen?

    Wenn ich geerbt habe und aus dem Erbe z.B. monatliche Zinserträge von 2.500.- erziele, werden die dann durch das Grundeinkommen ersetzt oder kommt das dann oben drauf?

    Grüße
    olivers_free

    • Wenn es heißt, das Grundeinkommen ersetzt einen Teil des Arbeitseinkommens, kann das Missverständnis entstehen, dass es in einem direkten Zusammenhang mit dem Arbeitseinkommen steht.
      Aber das bedingungslose Grundeinkommen steht ganz unabhängig und eigenständig da ohne Zusammenhang zu allem, was für Arbeit gezahlt wird oder was an Sozialleistungen gezahlt wird.
      Es wird nicht vom Lohn abgezogen. Es wird nicht vom Arbeitgeber gezahlt. Es ist ein demokratisch abgestimmtes Einkommen und wird von uns allen in einer Abgabe oder mit einer Steuer bezahlt.

      Das Beispiel sagt: das Grundeinkommen beträgt 2’500 Franken.

      Die Frage: wenn jemand heute 2’000 Franken verdient, was verdient er dann, wenn ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt ist?
      Die Antwort: Er verdient dann so viel, wie er und sein Arbeitgeber miteinander aushandeln. So viel, dass er oder jemand anderes bereit ist, die Arbeit zu tun.

      Eine starre Verbindung zwischen Lohn und bedingungslosem Grundeinkommen kann es nicht geben in der Art, dass der Betrag des Grundeinkommen mechanisch abgezogen wird vom Lohn. Dann bliebe von manchen Löhnen im unteren Lohnbereich nichts oder zu wenig übrig. Das bedingungslose Grundeinkommen soll die Menschen nicht beschneiden, sondern freier machen. Freier auch zu neuen Lohnverhandlungen auf der gesicherten Basis des Grundeinkommens.

      Wie könnte das aussehen bei jemandem, der heute 2’000 Franken verdient, und der dann ein Grundeinkommen von 2’500 Franken bekommt?
      Der Arbeitgeber würde ihn sicherlich fragen, ob er die Arbeit nun für einen geringeren Lohn machen würde. Denn ein Grundeinkommen hat er ja nun schon. Vielleicht einigen sie sich darauf, dass er die Arbeit nun auch für 1’000 Franken macht.
      In diesem Fall hat das Grundeinkommen also nur 1’000 Franken im Lohn ersetzt.
      Der Arbeitgeber hat keine Grundeinkommensabgabe zu zahlen. Es wird eine Steuer oder Abgabe für die Finanzierung des Grundeinkommens erhoben. Ob auf Einkommen, ob als Ressourcensteuer, wie auch immer, sie wird sich geltend machen in den Preisen, durch die ja das Geld für die Einkommen und für die Steuerabgaben reinkommen muss. Das heißt, sie wird sich geltend machen in den Preisen, die der Konsument zahlt. Das heißt, sie übt einen Druck aus auf die Preise, auf die Herstellungskosten, auf die Kosten der Arbeit, auf die Arbeitseinkommen. Das wird den Arbeitgeber zusätzlich veranlassen, darauf zu achten, dass die bestehenden Arbeitseinkommen geringer werden, was sie können, weil jeder bereits ein Grundeinkommen hat.

      Die zweite Frage. Wenn jemand zwei Jobs hat, bei denen er je 2’000 Franken verdient, dann wird es bei beiden Jobs zu neuen Lohnverhandlungen kommen. Vielleicht macht derjenige die beiden Jobs dann für je 1’000 Franken noch.
      Dann wären insgesamt 2’000 Franken Lohn durch das Grundeinkommen ersetzt. Vielleicht sagt er sich aber auch: Ich habe jetzt das Grundeinkommen bedingungslos. Die beiden Jobs sind mir wichtig. Da interessiert mich, darin sehe ich eine Notwendigkeit, da fühle ich mich gebraucht. Wenn ich bei beiden je 750 Franken verdiene, dann habe ich zusammen mit dem Grundeinkommen 4’000 Franken, so viel wie zuvor, das reicht mir.
      Mit anderen Worten, der Wert der Arbeit tritt mehr in den Vordergrund. Der Wert, den die Arbeit für mich hat, nicht die Bezahlung.
      Vielleicht ist das aber auch eine scheußliche Arbeit mit unangenehmen Kollegen und einem missgünstigen Chef. Dann wird sich für diese Arbeit wohl niemand mehr finden, wenn sie nicht deutlich besser bezahlt wird als zuvor, oder wenn sich nicht die Arbeitsbedingungen deutlich bessern. Das sind Auswirkungen des bedingungslosen Grundeinkommens.

      Die dritte Frage. Der Flohmarkthändler. Der agiert als selbständiger Geschäftsmann. Seine Verdienstspanne muss nicht mehr so hoch sein wie zuvor, wenn er ein Grundeinkommen bereits bedingungslos hat.
      Er wird schauen, wie sich die Preise auf dem Flohmarkt entwickeln, wenn alle Flohmarkthändler ein bedingungsloses Grundeinkommen haben. Vielleicht wird er versuchen, teurer zu werden, weil er sich sagt: alle haben mehr Geld in der Tasche wegen des bedingungslosen Grundeinkommens.
      Vielleicht wird er erleben, dass das nicht der Fall ist. Vielleicht werden einige Kollegen mit ihren Preisen deutlich runter gehen, weil sie wegen des bedingungslosen Grundeinkommens nicht mehr so viel verdienen müssen wie vorher, um doch das gleiche Gesamteinkommen zu haben wie zuvor.
      Kommt noch hinzu, dass es sein kann, dass sich auch in seinen Preisen die Abgabe für ein Grundeinkommen geltend macht. Dann muss er mit seinen Preise runter gehen, damit die Preise nicht durch die Grundeinkommensabgabe auf einmal in den Himmel schießen. Wahrscheinlich ist, dass er im Wettbewerb im Marktgeschehen seine Gewinnspanne verkleinert. Er wird aber sicherlich versuchen, nicht nichts zu verdienen, sondern doch zumindest zum Beispiel noch 1’000 Franken Gewinn zu haben. Dann hat das Grundeinkommen nur 1’500 Franken des vorherigen Einkommens ersetzt.

      Es sollte bisher schon deutlich werden, dass es keine starre Verrechnung zwischen Lohn und Grundeinkommen gibt und auch nicht geben kann, sondern dass dieses Geschehen in neuer Verhandlung und aus Einsicht und im Wettbewerb stattfindet.

      Vierte Frage. Einkommen aus Zinserträgen. Darauf hat das bedingungslose Grundeinkommen keinen direkten Einfluss. Indirekt aber kann es einen Einfluss geben. Den zu besprechen würde jetzt zu viel Raum einnehmen.

      Die Formulierungen: das Grundeinkommen ersetzt, es kommt nicht oben drauf, oder es kommt doch oben drauf, können suggerieren, dass ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem bedingungslosen Grundeinkommen und den bestehenden Einkommen bestände. Das ist aber nicht so. Diese Formulierungen sollten nur dem prinzipiellen Verständnis dienen, dass ein Grundeinkommen letztlich nicht mehr Geld für alle bedeutet, sondern dass es als ausgezahlter bedingungsloser Grundeinkommensbetrag möglich und nötig wird, die anderen Einkommen neu zu verhandeln, und dass diese anderen Einkommen im Prinzip und im Durchschnitt annähernd um den Grundeinkommensbetrag sinken.
      Bei jemandem, der ein hohes Einkommen hat, kann es auch sein, dass in die neuen Lohnverhandlungen die Grundeinkommen seiner Familienmitglieder hineinspielen. Das Haushaltseinkommen hat sich bei einer vierköpfigen Familie zum Beispiel um 6’250 Franken erhöht. (Dies sind nur Beispielszahlen.) Wenn er vorher 12’000 Franken Lohn erhielt, könnte es sein, dass er die Arbeit neu auch für nur 8’000 Franken anbietet, womit er zwar 4’000 Franken weniger verdiente, die Familie aber dennoch 2’250 Franken mehr zur Verfügung hätte.
      Zu diesen zahlen wären noch viele Details zu nennen, durch welche sie sich auch noch ändern würden und nicht mehr so einfach und klar wären.
      Das Beispiel in der Grafik ist deshalb als Bild des Prinzips bei einem mittleren Einkommen gewählt worden. Um die klarste einfachste Darstellung zu haben.
      Bei einem Einkommen von 7’500 Franken kann es gut sein, dass die Person bereit wäre, mit 5’000 Franken verdienst weiterhin die Arbeit zu machen. Zusammen mit dem Grundeinkommen hätte sie dasselbe Gesamteinkommen wie zuvor.

      Bei den Sozialleistungen sieht es etwas anders aus als bei den Erwerbseinkommen. Bei den Sozialleistungen kann der Betrag des neu ausgezahlten bedingungslosen Grundeinkommens starr abgezogen werden. Sozialleistungen über die Höhe eines Grundeinkommens hinaus bleiben erhalten. Es gibt Gründe, warum jemand mehr braucht als nur den Betrag, den das Grundeinkommen jedem gibt. Bis zur Höhe des Betrages des Grundeinkommens können alle Sozialleistungen und Zuzahlungen zum Lebensunterhalt entfallen.

      Ein bedingungsloses Grundeinkommen kann man sich am besten vorstellen, wenn man sich sagt: Ein bedingungsloses Grundeinkommen wird ausgezahlt; was wird nun wohl geschehen?
      Was wir vertreten ist kein Modell, sondern wir sagen, was wir meinen, was dann wohl wahrscheinlich geschehen wird. Was außerdem in einer Volkswirtschaft unweigerlich geschehen wird.
      Wir stellen kein Modell auf, wir gehen der Sache gedanklich nach, was die Auswirkungen eines bedingungslosen Grundeinkommens wären.
      Es ist ein direktes Einkommen, ein dauerhaftes und zuverlässiges Einkommen, es ist ohne Auflagen, keine Bezahlung, kein Tadel, kein Lohn, es ist nicht nur für einige, es ist für alle.
      Was wird das bewirken?

      Und auf der anderen Seite: Wenn es bedingungslose Grundeinkommen bezahlt wird, finanziert wird, dann wird das wohl über eine Steuer oder Abgabe am besten sein. Wo werden Steuern und Abgaben getragen?
      Der Angestellte führt sie von seinem Einkommen ab, das Unternehmen von seinen Einnahmen. Alles wird aus den Einnahmen bezahlt. Einkommen genauso wie Steuern und Abgaben.
      Woher kommen die Einnahmen? Vom Kunden. Sie kommen von dem, was der Konsument ausgibt für ein Produkt oder eine Dienstleistung. Sie kommen also durch die Preise, die der Konsument zahlt.
      Also wird sich eine Abgabe oder Steuer für das bedingungslose Grundeinkommen auch in den Preisen geltend machen. Sie wird auch in den Preisen mit zu bezahlen sein. Egal, wo sie erhoben wird.
      Wenn also eine Steuer oder Abgabe für die Finanzierung des Grundeinkommens in den Verbraucherpreisen mit zu tragen ist, was geschieht dann?
      Dann erhöhen sich die Preise.
      Aber wenn die Geschäftsleute, Unternehmer, Selbständige eine Möglichkeit sehen, ihr Produkt billiger anzubieten, dann werden sie das tun, um einen Wettbewerbsvorteil zu haben. Und sie können das tun, weil das bedingungslose Grundeinkommen es möglich macht, die Herstellungskosten zu senken, indem die Lohnkosten gesenkt werden. Sie können gesenkt werden, weil die Leute mit einem geringeren Lohn doch annähernd das gleiche in der Tasche haben wie zuvor. Weil sie schon von Haus aus alle ein Grundeinkommen bedingungslos haben.

      Hiermit sind noch lange nicht alle weiteren Faktoren und Details und nicht alle unterschiedlichen Lebenssituationen und Branchen besprochen. Hiermit ist nur das Prinzip angesprochen. Zum dem gehört, dass man sich all die verschiedenen Situationen weitgehend selber denken kann. Damit ist noch nicht gesagt, wie es wirklich wird. Aber wie es wahrscheinlich wird. Und die Gesetzmäßigkeit kommt in den Blick.

      Enno Schmidt

      • Hallo Herr Schmidt,

        vielen Dank für die ausführliche Antwort. Nun wird mir das Prinzip klarer und nachvollziehbar.
        Es ist schade, dass es in dem Schaubild (oben) und auch in den bisherigen Publikationen so nicht deutlich wird. Es steht „das Grundeinkommen _ersetzt_ die Einkommen in seiner Höhe“. Das suggeriert, dass im „schweizer Modell“ ein direkter Zusammenhang zwischen Arbeitseinkommen und Grundeinkommen gibt. Das Grundeinkommen also voll auf das Arbeitseinkommen angerechnet werden soll. Das sollte vielleicht in der Öffentlichkeit klarer dargestellt werden.

        Grüße
        olivers_free

      • Vom grundeinkommen hat nur der Arbeitgeber Vorteile und nicht der Arbeitnehmer warum sind so viele Arbeitgeber für das bedingungslose Grundeinkommen weil sie Geld einsparen die Diskussion über das Grundeinkommen ist im Grunde genommen eine große Betrugsmasche der großen Firmen.

  2. Also wenn jemand arbeiten geht, und die Firma bezahlt der Person einen Lohn von 4500 Fr. heisst das dann, das die Firma dem arbeitenden nur noch 2000 Fr. bezahlen muss, und der Rest bekommt die Person vom Staat? Dann verdient sich ja der Chef der Firma, dumm und dämlich, weil er nur noch kleine Löhne zahlen muss. Verstehe ich da was falsch? Dann werden die Reichen doch noch reicher (Chef)

    • lieber senn, ja sie verstehen es falsch, d.h. nur bist zur hälfte richtig. das grundeinkommen muss ja über eine steuer, nennen wir sie grundeinkommenssteuer, tranferiert werden. im unternehmen bleibt der saldo also gleich: heute 4500.- erwerbsarbeitskosten >>> dann: 2000.- erwerbsarbeitskosten plus ca. 2500.- grundeinkommensteuer = 4500.- da sie jetzt ein niedriglohn besispiel genommen haben, kann es sein, dass die grundeinkommensteuer weniger ist, was zur folge hätt, dass das unternehmen bei gleichbleibenen löhnen billiger produzieren kann, oder bei gleichbleibenden preisen bessere löhne zahlen kann. in normallohnsektor, sagen wir bei kosten für einen arbeitsplatz von 7500.- würde das grundeinkommen diese um 2500.- senken und die grundeinkommensteuer von 2500.- die kosten für das unternehmen wieder ausgleichen. beste grüsse, dh

  3. Diese Darstellung scheint mir zwar plausibel aber zu sehr vereinfacht und deshalb wenig aussagekräftig. Interessant wäre aus meiner Sicht, den Steueranteil zu integrieren sowie den Vergleich auch für arbeitslose Personen oder Bezüger/innen von Sozialleistungen aufzuzeigen.
    Erst die Aggregation solcher (und weiterer) Einzelfälle kann aufzeigen, welche Folgen das BGE aus gesamtwirtschaftlicher Sicht haben könnte. Annahmen über solche Veränderungen dürften allerdings nur sehr schwer zu treffen sein.

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