«Wer, wenn nicht die Schweiz?»

Bericht von Res Strele im Tages-Anzeiger zur internationalen Konferenz am Gottlieb Duttweiler Institut am 4. Mai 2016:

«Wer, wenn nicht die Schweiz?»

 

«Die Initiative über ein bedingungsloses Grundeinkommens wäre in Europa mehrheitsfähig. Dies ergab eine Umfrage des Berliner Netzwerks Neopolis unter 10’000 Befragten in 28 europäischen Staaten. Am deutlichsten ist die Unterstützung in Spanien (71 Prozent), am geringsten in Frankreich, aber auch dort liegt sie noch bei 58 Prozent. Für die kleineren Länder wurde die Umfrage nicht detailliert ausgewertet, da sie dort nicht repräsentativ ist.

Neopolis, selber aktiv im internationalen Netzwerk der Befürworter des Grundeinkommens, hatte gestern prominente ausländische Unterstützer an eine Tagung des Gottlieb-Duttweiler-Instituts in Rüschlikon eingeladen. Thema des Programms: die Zukunft der Arbeit. Thema der Reden und Podien: das bedingungslose Grundeinkommen. Es soll angesichts der sich abzeichnenden Arbeitslosigkeit und des brüchig gewordenen Kompromisses zwischen den Sozialpartnern durch die digitale Revolution zur neuen Säule der sozialen Sicherung werden. Und in der Vorstellung der Befürworter die Menschen von der meist ungeliebten Lohnarbeit befreien.

Prominenteste Unterstützer der Vorlage waren der ehemalige US-Arbeitsminister Robert Reich, heute Professor an der University of California in Berkeley, und Giannis Varoufakis, als griechischer Finanzminister in den Verhandlungen zur griechischen Umschuldung mit der EU einst erfolgloser Held des Widerstands, inzwischen aber gefeierter Star der Alternativszene. Reich hält ein vom Staat finanziertes bedingungsloses Grundeinkommen schlicht für unvermeidlich, wenn die Lücke in der Konsumnachfrage angesichts des Durchbruchs der Robotertechnik nicht riesig werden soll. Varoufakis will mit einem bedingungslos garantierten Grundeinkommen der wachsenden Zahl der aus garantierter Lohnarbeit ausscheidenden Menschen Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit zurückgeben. Anschaulich schilderte er den Unterschied zwischen dem einst selbstbewussten Putzpersonal der Universität Athen, das ihn und seine Familie gekannt habe und ihn spätabends auch mal nach Hause geschickt habe, während die Reinigung heute outgesourct sei und von wechselnden, gesichtslosen Arbeitskräfte erledigt werde.

Die Stimmung an der Tagung mit zahlreichen internationalen Teilnehmern war eindeutig: Wer, wenn nicht die wohlhabende Schweiz, laut Varoufakis «einzigartig» auf der Welt, kann sich das leisten? Da schlug sich selbst Unia-Präsidentin Vania Alleva ins Lager der Ja-Stimmenden.»

 

Comments

  1. Ja, ja der Grieche Varoufakis ist tatsächlich das beste Aushängeschild für ein besinnungsloses Grundeinkommen. Man will griechische Zustände hier in der Schweiz einführen, die Massenarbeitslosigkeit („schafft mehr Arbeitslosigkeit“), der Müssiggang, das am Meer sitzen, die Sonne geniessen und gut essen, Frauen…

    Leider, oder zum Glück sind wir Schweizer nicht wie die Griechen: Wir sind ein hart arbeitendes Volk, dass von jedem verlangt sich einzubringen. Im Gegensatz zu den Griechen haben hierzulande die meisten Leute verstanden, dass es keinen arbeitsfreien Wohlstand geben kann. Wir haben auch ein härters Klima als die Griechen, die im Sommer auch gut noch obdachlos leben können, wenn es sein muss.

    Es ist wie in der Mär mit der Ameise und der Heuschrecke des altgriechischen Autors Äsop: Die Heuschrecke will tanzen und Geige spielen den ganzen Sommer lang. Die Ameise arbeitet den ganzen Sommer lang. Nun kommt der Winter und die Heuschrecke klopft bei der Ameise an und will von ihren Vorräten knappen. Da sagt die Ameise: „Nein. Du hast schon den ganzen Sommer über gespielt und getantzt, du hast nichts gearbeitet und vorgesort, jetzt sollst du auch nicht essen!“
    Genau so wollt ihr Grundeinkommenskerle uns hartarbeitenden Ameisen das Geld aus der Tasche ziehen: Ihr wollt nur tanzen, Larifari-machen und das Leben geniessen. Nach einem Monat kommt ihr zu uns und verlangt, dass wir das bezahlen.

    Tut mir leid: Ich sage jetzt auch: „Verdient gefälligst euer eigenes Geld und verlangt es nicht von mir, Ameise!“

    Die Alten Griechen wussten noch, dass es keinen anstrenungsfreien Wohlstand gibt und dass das Leben hart ist. Die neuen Griechen verlangen nun vom hart arbeitenden Deutschland, die Zeche gezahlt zu kriegen. Ebenso wollen die arbeitsfaulen Schweizer von den ARBEITENDEN Schweizern ein BGE ausbezahlt bekommen.

    Solange noch Vernunft und Ordnung in Eruopa herrscht, wird es unter meiner und Schäubles‘ Zustimmung kein Heuschrecken-Fest geben.

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