«Trotz Grundeinkommen werden wir arbeiten»

Interview mit Albert Wenger, Risikokapitalgeber aus New York, in 20 Minuten:

Trotz Grundeinkommen werden wir weiter arbeiten

 

«Herr Wenger, nehmen uns Roboter bald die Jobs weg?
Das Internet und die Digitalisierung verändern derzeit die Wirtschaft. Im Rahmen der sogenannten Industrie 4.0 werden Roboter und Automaten in absehbarer Zeit Angestellte aus vielen Bereichen verdrängen. Viele Jobs, die mit manueller Arbeit zu tun haben, werden verschwinden. Das wird zu Problemen führen. Wir werden nicht mehr in der Lage sein, allen Leuten Arbeit zu bieten.

Wie können wir dieses Problem lösen?
Durch die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.

Wie es in der Schweiz dieses Jahr zur Abstimmung kommen wird?
Genau. Denn wir haben heute einen Stand der Entwicklung erreicht, dass wir genug Wissen und Kapital hätten, um jedem Menschen ein solches Einkommen zukommen zu lassen. Keiner sollte sich mehr fragen müssen, ob er morgen genug zu essen hat oder nicht. Es geht dabei vor allem um eine Verteilung von Gütern. Allerdings ist es wichtig, dass der Markt die Verteilung regelt und nicht der Staat. Gibt man den Leuten ein Grundeinkommen, können Sie die überlebenswichtigen Produkte auf dem Markt so nachfragen, wie sie dies wünschen. Der Markt wiederum stellt sie effizient zur Verfügung.

Der Bundesrat lehnt das Grundeinkommen ab. Er sagt, dass so die Wertschöpfung verringert würde und Firmen aus der Schweiz ins Ausland abwandern würden.
Ich halte das für eine Fehleinschätzung. Was der Bundesrat vergisst: Arbeit ist in der Schweiz schon teuer, vor allem im Vergleich zu Niedriglohnländern wie Indien oder China. Ein Grundgehalt, das die Arbeit noch ein wenig verteuert, kann sogar von Vorteil sein. Die Leute wären dann weniger bereit, gewisse Tätigkeiten wie Reinigungsarbeiten auszuführen. Das wiederum würde zum Beispiel die Entwicklung eines Reinigungsroboters begünstigen. Weil Arbeitskräfte zu teuer wären, würde der technische Fortschritt beschleunigt.

Das Problem ist doch, dass die Leute nicht mehr arbeiten wollen, wenn wir ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen.
Beim Grundeinkommen, wie ich es fordere, handelt es sich um einen relativ tiefen Betrag. Ob 1000 Dollar für die USA oder 2500 Franken für die Schweiz: Die Leute werden noch arbeiten wollen. Der Unterschied zu heute wird sein, dass die Leute nicht mehr bereit sein werden, die schlechten Jobs wie WC-Putzen für einen Tieflohn zu machen. Ausserdem gibt das Grundeinkommen den Menschen die Möglichkeit, mal zu Hause zu bleiben und sich um kranke Angehörige zu kümmern. Das sind wichtige Arbeiten, die heute oft auf der Strecke bleiben.»

Das neue Buch von Albert Wenger:

World After Capital
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Comments

  1. Ich gebe zu, dass die Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch ist: Das Gewinnen von alphaGo gegen Lee Sedol in GO spricht dafür, dass die AI zukünftig viele Lebensbereiche übernehmen wird.

    Für Menschen gibt es aber keinen Grund sich zurückzulehnen und von einer „Freistellung“ der Menschen und einem Rückzug aus dem Arbeitsmarkt zu träumen. Es wird künftig immer noch jeden brauchen, nur in einem anderen Job-Segment. Klar: Chauffeure werden durch selbstfahrende Autos und Lastwagen ersetzt werden. Das gibt den Chauffeuren die Freiheit sich umzubilden und im Bereich der Fahrsimulation zu programmieren und zu entwickeln. Jetzt aber zu antworten mit 2500 CHF ist ein verfehltes Signal: Dem Chauffeur könnte einfallen, sich dann in die Sonne zu legen, die in diesen Breitengraden reichlich scheint, und nichts mehr zu arbeiten. Wenn das immer mehr und immer mehr „freigestellte“ Niedriglöhner machen würden, dann hätten wir bald weder Chauffeure noch Fahrsimulator-Programmierer.

    Zudem: Der erwähnte Wandel kommt noch nicht so schnell und ist vor allem noch gar nicht da: Sedol hat immerhin noch ein Spiel für sich entscheiden können, was für die menschliche Intelligenz spricht. Die Autos fahren noch nicht von selber und viele Fragen sind noch ungelöst, besipielsweise, wie reagieren wir auf den ersten, durch ein selbstfahrendes Auto todgefahrenen Menschen? Selbst wenn das Google Auto schon heute besser fährt als ein Formel 1-Pilot, die Frage stellt sich trotzdem, was passieren wird, wenn Menschen dadurch zu schaden kommen: Das ist ein ethisch und ein gesellschaftliches, kein technisches Problem.

    Wen wir im Juni das BGE einführen, werden 2 Dinge passieren:
    1. Das BGE wird aufgrund der bürgerlichen Mehrheit im National- und Ständerat als Modell der negativen Einkommenssteuer begriffen. Es wird in der Höhe von 800-1000 CHF angesetzt, dafür werden alle Sozialleistungen gestrichen. Die Leidtragenden wären Behinderte, Alte und unverschuldet Arbeitslose, die eigentlich arbeiten wollten.
    2. Wenn es trotzdem ein „Full BGE“ gibt, dann wird mit der Arbeit aufgehört werden. Immer mehr Menschen werden sich schon heute zurücklehnen, obwohl die Technisierung und Automatisierung ihren Job noch gar nicht „freigestellt“ hat. Die Faulheit kommt VOR dem technischen Fortschritt und sollten sich selbst Wissenschaftler und Ingenierue zurücklehnen, dann kommt es gar nicht mehr zu diesem Fortschritt, bzw. der Fortschritt findet in den USA statt, und wir können nicht daran teilhaben, weil unsere Währung, mit BGE, dann zu schwach ist und unser Volksvermögen zu klein um uns diesen technischen Fortschritt leisten zu können.

    In diesem Fall wird das BGE so zu einer Art selbstzerstörenden Prophezeihung, da durch das BGE sichergestellt wird, dass es zu diesem technischen Fortschritt nie kommen wird, zumindest nicht in der Schweiz.

    Wie sie sehen, kann man es drehen und wenden wie man will: es geht nicht: Euer Modell geht nicht!

    Ich dürfte jetzt endgültig ALLE Argumente für ein BGE entkräftet haben. Es bleibt mir die Abstimmung abzuwarten und davon zu zehren, dass es sicher abgelehnt wird.

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