SWISSINFO: «Was fehlt, wenn alles da ist?»

Portrait über Daniel Häni bei SWISSINFO:

«Was fehlt, wenn alles das ist?»

 

Ausszug:

«Mit schwungvollen Schritten eilt Daniel Häni durch sein Kaffeehaus „unternehmen mitte“ in Basel. Er wirkt jugendlich mit seinen blauen Turnschuhen und dem braunen Vollschopf. Dabei ist er 50 Jahre alt und bereits Grossvater.

Es ist Sonntagnachmittag. Häni will erst mal Kaffee trinken. Doch der Mann, der Sätze sagt wie „Fleiss und Gehorsam sind out“ oder „Der protestantische Arbeitsethos ist ein Auslaufmodell“, ist weder faul noch dumm. Er findet es bloss widersinnig, zwischen Freizeit und Arbeit zu unterscheiden. Er vereint Familienleben, Arbeit und politisches Engagement unter einem Dach: An bester Lage in der Altstadt von Basel bewohnt er mit seiner Patchwork-Familie und vielen Gästen eine Wohnung in der oberen Etage, während in den unteren Räumen das Kaffeehaus sowie das Büro der Initiative untergebracht sind.

Wollen die Initianten also ein sozialistisches Ideal verwirklichen? Daniel Häni – der sich und das Initiativkomitee keiner politischen Partei zuordnen lassen will – verneint. Sein Motiv sei vor allem ein Liberales, nämlich die „Verantwortungsfähigkeit des Menschen“: Wer etwas tue, weil er müsse, sei nicht gleichermassen verantwortungsfähig, wie jemand, der freiwillig handle. In der Schweiz lebe man unter den Möglichkeiten, behauptet er.

Bereits als Jugendlicher habe er beobachtet, dass die Schweizerinnen und Schweizer oft unzufrieden seien – obwohl sie doch in paradiesischen Verhältnissen lebten. Er habe sich gefragt: „Was fehlt, wenn doch alles da ist?“ Heute ist dieser Satz der Titel vom „Buch zur Abstimmung„, das Häni mit dem Journalisten Philip Kovce kürzlich publizierte.

Häni beschäftigt sich schon länger mit dem Thema Grundeinkommen. 2008 produzierte er zusammen mit dem Künstler Enno Schmidt einen Dokumentarfilm. Dieser scheint ihm heute „amateurhaft und viel zu lang!“. Trotzdem ist er wichtig: Der Film erklärt die volkswirtschaftlichen Motive der international aktiven Bewegung für ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Inzwischen ist der Kaffee ausgetrunken. Wir dislozieren vom lebhaften Kaffeehaus in die hinteren Kampagnen-Räume. Häni setzt sich auf ein goldenes Sofa, das zur Werbekampagne gehört. Die Initianten sind bekannt für ihre kreative Werbung. Sie kippten acht Millionen Fünfräppler (das sind 400’000 Schweizer Franken) auf den Bundesplatz und verteilten Geld an Passanten – insgesamt 10’000 Franken. Demnächst soll das grösste Plakat der Welt entstehen, finanziert mit Crowdfunding.

Dieser Erfolg ist wohl auch Hänis besonnenem Charakter zu verdanken. Er spricht ruhig und überlegt lange, bevor er eine Frage beantwortet. Nur einmal braust er auf, als die Frage fällt, ob das Grundeinkommen eine „Herdprämie“ sei und Hausfrauen von einer Teilzeitarbeit abhalte. Die Initiative sei im Gegenteil emanzipatorisch, ruft Häni und macht spontan einen Vorschlag für einen Werbeslogan: „Mann weg? – Grundeinkommen bleibt!“»

 

 

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