Philosophische Perspektiven zum Grundeinkommen

Moderation: Anja Leser

Sonntag, 7. Dezember 2014, 11 Uhr
Salon, Unternehmen Mitte, 1. OG, Gerbergasse 30, 4001 Basel. Anfahrtsplan

Die Veranstaltung „Philosophische Perspektiven zum Grundeinkommen“ beleuchtet die philosophischen Aspekte des BGE anhand eines Einführungsvortrages von Dr. Christoph Henning (HSG, School of Humanities and Social Sciences) und einer Podiumsdiskussion. Diese umfasst unter anderem Fragestellungen wie: Welche Werte und Haltungen liegen den verschiedenen Positionen zum BGE zugrunde? Wie definiert sich „Erwerbsarbeit“? Kann die Philosophie bei der politischen Meinungsbildung unterstützend wirken, und wenn ja, wie? Das Publikum ist eingeladen sich an der Diskussion zu beteiligen.

 

Auf dem Podium sind:

 

Stimmen des Podiums:

 
  • Daniel Häni: „Der Neoliberalismus mit seinem selbstbezogenen Freiheitsbegriff stellt sich blind und behandelt den Menschen als Feind und Objekt anstatt als Subjekt und Kapital. Wirkliche Freiheit ist nicht unteilbar. Im Gegenteil, sie wächst durch die Freiheit des anderen. Ungeteilte Freiheit ist unfruchtbar wie Geld unter der Bettdecke.“

 

  • Evi Bossard: „Nur wer beim Gedanken an ein BGE an seine Grenzen stösst, hat sich effektiv mit dem Thema auseinander gesetzt.“ Ausserdem: „Die Grundeinkommens-Kritiker sind Pessimisten. Die Befürworter sind es auch.

 

  • Sascha Liebermann: „Als erfahrungswissenschaftlich forschender Soziologe interessiert mich die Diskussion um das Bedingungslose Grundeinkommen, weil an ihr verschiedenste Handlungsprobleme menschlichen Zusammenlebens und ihre Deutung in Gemeinwesen besonders drastisch hervortreten. Die vorzufindene Diskrepanz zwischen Handeln und Selbstdeutung ist frappierend, besonders das Selbstverständnis als Solidarverband, das darin zum Ausdruck kommt, was wiederum zu elementaren Fragen nach Sozialität und Vergemeinschaftung ganz besonders in republikanischen Demokratien führt.  Als Bürger halte ich das BGE für die zeitgemässe Antwort auf Herausforderungen, die der politischen demokratischen Ordnung eingeschrieben sind: Vertrauen in das Engagement der Bürger auf der einen, sichere Einkommensbasis für die Entfaltung von Autonomie durch Gemeinschaft, Freiheit durch Abhängigkeit, auf der anderen Seite.“

 

  • Thomas Vasek: „Ich bin ein BGE-Gegner, allerdings kein „bedingungsloser“ Gegner. Meine Bedenken beruhen zum einen auf Gerechtigkeitsüberlegungen. Es kann nicht gerecht sein, wenn die einen arbeiten müssen, während andere Einkommen ohne Arbeit beziehen. Der zweite Punkt ist, dass ein BGE m. E. den Wert der Arbeit unterminiert. Wenn meine These richtig ist, dass Arbeit wesentlich beiträgt zu einem guten Leben, dann sollten wir keinen Anreiz geben, nicht zu arbeiten. Beide Argumente sind aber sicherlich diskutabel. Mittlerweile kann ich mir unter bestimmten Voraussetzungen so etwas wie ein befristetes Grundeinkommen vorstellen, als eine Art Experiment.“

 

  • Christoph Henning: „Ich bin ein Sympathisant, aber kein fanatischer Befürworter des BGE: seine Einführung würde vielen Menschen eine grosse Erleichterung bringen, kann allerdings auch Nachteile haben – nicht nur für die (weiterhin) Arbeitenden, wie oft gemutmaßt wird, sondern gerade auch für die Bezieher.
    Ausgehend von der Ambivalenz der „Arbeit“ (Arbeiten hat positive, aber auch negative Seiten) lässt sich gut zeigen, was eigentlich – gerade auch aus philosophischer Perspektive – die Attraktivität des BGE ausmacht: Es würde die beglückenden Momente des Arbeitsprozesse (die Selbsterfahrung im kreativen Akt, die Zufriedenheit mit sich und seinem Werk, sowie die Möglichkeit, von anderen Anerkennung für Tätigkeiten oder ‚Werke‘ zu erfahren) von den unangenehmen Seiten ( Überarbeitung, potentielle Unterdrückung, Ausbeutung, Entfremdung usw.) ein Stück weit entkoppeln.“

 

Titelseite Gutes Leben

Comments

  1. Guten Tag

    Ja, mit der Philosophie, da hätte ich auch noch eine Runde mitzureden…

    Was man a priori wissen muss: In der Philosophie „anything goes“, man kann noch so falsch und noch so inarikuliert und obskurant schreiben, oder argumentieren, und das Gegenüber kann einem Nicht zwingen, die Wissenschaft anzuerkennen.

    Genau so, wie Hegelsche Kreationisten gehen Häni et al. vor. Sie behaupten nämlich, dass das BGE philosophisch verhält. Natürlich haben sie noch nie etwas von „rationaler“, oder „empirisch-fundierter“ Phillosophie gehört. Sie wissen nicht einmal wie ein solches Argument auszusehen hat. Sie argumentieren einfach den Hegel, den Heidegger und den Derrida durch und hoffen, das niemand merkt, dass der Kaiser keine Kleider hat.

    Tut mir leid, denn ich habe bemerkt, dass der Kaiser keine Kleider hat.

    Nur eine wissenschaftliche Philosophie, basierend auf der Wissenschaft und der Logik wird die Wirklichkeit getreu wiedergeben.

    Was ist nun falsch mit dem philosophischen Weltbild der Befürworter? Nun, vieles. Zu viel um hier in Kürze aufzulisten.

    Es mag gereichen, wenn gesagt wird, dass Ökonomie auch eine Wissenschaft, gehörend zur Einheitswissenschaft ist. Eine grundlegende Aussage der Ökonmie ist, dass die Menschen rechnen können und rechnen tun. Wenn es sich für mich also nicht mehr rentiert Arbeiten zu gehen, wenn ich zum Beispiel weniger als 7500 CHF im Monat verdiene und ich nun 2500 CHF abgeben muss, für den Nachbarn in dem Unternehmen Mitte, der nun konstant in der Hängematte vor sich wegdöst und Bier trinkt, dann werde ich mit dem Arbeiten aufhören, und selbst mir eine Hängematte kaufen und nur noch Bier trinken. Der Mensch ist ein „Homo oeconomicus“, er rechnet den Weg zum Geld, und wenn die Steuersätze so exorbitant hoch sind, dass ich nur noch unter der Steuerlast zusammenbrechen kann, wenn ich noch arbeite, dann lege ich mich eben auch hin.

    Das hat mit Faulheit gar nichts zu tun, denn ich bin nicht faul, ich werde jedoch „faul gemacht“ durch ein BGE, da es sich dann nicht mehr rentiert Arbeiten zu gehen.

    DAS sollten die Initianten mal durchdenken. Wie Rudolf Strahm gesagt hat: „Das Ganze ist noch nicht einmal richtig durchdacht“, und da kommen sie mit der relativistischen Philosophiekeule und sagen: „Aber man kann auch nicht beweisen, dass es nicht funktionieren kann.“
    Klar positivistisch wurde es noch nie ausprobiert, so dass man nicht mit Sicherheit sagen kann, dass es scheitern wird. Der Tatbeweis muss aber von den Befürwortern erbracht werden DASS es funktionieren kann. Ich muss auch nicht die Nicht-Existenz Gottes beweisen, um zu wissen, dass es keine Götter gibt.

    Es gibt keine Götter, es gibt auch kein BGE hienieden auf Erden, so leid mir das tut.

  2. Hi,
    die GE-Diskussion ruft nach einer evolutionstheoretischen Grundlage. Wer diese nicht vermisst, sollte sich auf seine wissenschaftlichen Gewohnheiten besinnen, die ihn auffordern, keine theorie- und prozessmodell-freien Experimente anzufangen. Er riskiert den sicheren Zusammenbruch des sozialen Systems, dem er seine Innovation zumutet. Das ist schlicht UNVERANTWORTLICH.

    Diese evolutionstheoretische Grundlage liefern wir, die DIE KREATIVEN, 1. evolutionsprojekt- und goethepolitische Partei der Welt, gegr. 1985 in Erlangen als ‚Wir fahrradeuphorischen Epikureer‘.

    Unter unserer Webseite http://www.die-kreativen-partei.de ist alles nachlesbar.

    Rüdiger Kalupner

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