«Das Grundeinkommen könnte das wichtigste Experiment unserer Zeit werden»

Die Schweizer stimmen bald über das Grundeinkommen ab – ziemlich wahrscheinlich mit „Nein“. Das ist schade. Denn die Idee ist so gut, dass man es endlich mal wagen sollte, sie auch umzusetzen.

Eine Wette, die wir wagen sollten

Von Charlotte Theile, Süddeutsche Zeitung

 

«Für viele Ökonomen, Unternehmer und Aktivisten ist die Schweiz gerade das Zentrum der Welt. In diesen Wochen entscheidet sich hier die Zukunft einer Idee, die unsere Art zu wirtschaften grundlegend verändern könnte. Die einen sehen nichts Geringeres als den logischen Schritt zu einer höher entwickelten Gesellschaft: Eine zivilisatorische Errungenschaft, vergleichbar mit gesetzlicher Krankenversicherung und allgemeiner Schulpflicht. Die anderen halten sie für ein versponnenes Projekt, erdacht von Träumern, die sich weigern, einen Taschenrechner in die Hand zu nehmen.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine der besten Antworten auf die Herausforderungen einer Zeit, die von Automatisierung und Technisierung geprägt ist. Es stellt den Menschen und seine Bedürfnisse ins Zentrum, zwingt uns dazu, uns mit dem Sinn der Arbeit auseinanderzusetzen.

„Es hat keinen Sinn, zu überprüfen, ob jemand das Existenzminimum benötigt“, sagen die Schweizer Initiatoren. Das Argument ist einleuchtend: Jeder braucht Geld zum Leben.

Ein bedeutender Teil unserer Wirtschaft fußt darauf, dass Menschen keine Wahl haben. Das Grundeinkommen würde ihnen die Möglichkeit geben, Nein zu sagen: Zu gesundheitsschädigenden Arbeitsbedingungen, zu Lohndumping, zu betrügerischen Geschäftsmodellen.

Die Initiatoren bieten letztlich eine Wette an: Wetten, dass die Menschen das Grundeinkommen verantwortungsvoll nutzen? Dass sie weiter arbeiten, vielleicht sogar lieber? Irgendwann wird jemand einschlagen. Es könnte das wichtigste Experiment unserer Zeit werden.»

Comments

  1. Zuerst möchte ich festhalten, dass am 5. Juni das Schweizer Volk an die Urne geht und nicht die neunmalklugen Ökonomen. Die Neunmalklugen müssen selber eine Initiative starten, wenn sie diese demokratischen Prinzipien abschaffen wollen.

    Selbstverständlich gibt es eine grosse Anzahl von Ökonomen und Wissenschaftler, die das BGE unterstützen. Der Club wird sogar Tag für Tag immer grösser:

    Kritik der ökonomischen Vernunft.
    ( André Gorz )
    Die blinden Flecken der Ökonomie.
    ( Bernd Senf )
    Die fragwürdigen Grundlagen der Ökonomie.
    ( Karl Heinz Brodbeck )
    Anleitung zur Artgerechten Menschenhaltung.
    ( Wolfgang Berger )
    Das Ende des Geldes.
    ( Franz Hörmann )
    Der Währungscountdown: Das verfehlte Geldsystem.
    ( Andreas Popp )

    ( …. und viele mehr. )

    Gleiche Augenhöhe schafft Frieden. Der Snobismus schaut jedoch nach Unten.
    Ein klares JA für das BGE.

    • @Claude Vuillaume
      Träumen Sie weiter Herr Vuillaume, es spielt doch überhaupt keine Rolle ob nun das „leichtgläubige“ Schweizer Volk an die Urne geht oder die „neunmalklugen“ Ökonomen. Die Neunmalklugen müssen doch gar keine eigene Initiative mehr starten um diese demokratischen Prinzipien abzuschaffen, diese wurden doch längst abgeschafft!
      Nach der kürzlichen Volksabstimmung bin ich total überzeugt, dass es in unserem Land nicht mehr mit rechten Dingen zugeht. Kann es denn wirklich sein, dass das Schweizervolk so total „wankelmütig“ ist? Oder könnte es vielleicht sein, dass seit der Einführung der sogenannten „brieflichen Stimmabgabe“, Stimmzettel auf höchster Stufe durch bezahlte Agenten einer „geheimen Agentur“ manipuliert werden?
      Ich befürchte das Letztere und dass genau das bei der Abstimmung über das BGE geschehen wird!
      Deshalb denke ich, dass in unserer „Direkten Demokratie“ diese unredliche Praxis mit der „brieflichen Stimmabgabe“ umgehend abgeschafft gehört und wieder zum alten bewährten System der „persönlichen Stimmabgabe“ am Wahltag an der Urne direkt im Wahllokal zurück gekehrt werden muss!
      Ich denke, da sollten sich professionelle Juristen unbedingt darum kümmern und dieses System einmal gründlich unter die Luppe nehmen! Ich bin total überzeugt, dass mit der alten Wahl-Praxis auch die kürzliche Abstimmung ganz anders verlaufen wäre und, dass auch die kommende Abstimmung über das BGE am 5. Juni anders verlaufen würde!

      Sprichwort:
      Auf was man seine Aufmerksamkeit lenkt, auf das wird man bewusst! (Ian Xel Lungold).

      • Sehr geehrter Herr Rutz
        Das Problem ist nicht die Leichtgläubigkeit, sondern die Existenzängste. Bestimmt ist Ihnen auch aufgefallen, dass die Elite fast bei jeder Abstimmung mit Arbeitsplatzverlusten droht. Bei solchen Drohungen entstehen Ängste und Ängste erlauben kein vernünftiges Handeln und Denken.

        Nach der Einführung des BGE wird diese listige Rhetorik nicht mehr funktionieren.
        Das BGE bringt uns deshalb demokratisch und gesellschaftlich auf eine höhere Stufe.
        Ein klares JA für das BGE.

  2. Ich möchte gerne wissen, wer diese „Ökonomen“ sind, die für das BGE sind. Ich kenne keinen einzigen ernsthaften Ökonomen, der sich in die Nesseln setzen würde und gegen die Grundlagen seines eigenen Faches argumentiert. So Pseudo-Ökonomen, wie Christian Müller und Daniel Straub, die einfach BWL oder VWL studiert haben und sich jetzt „Ökonom“ nennen, ohne etwas Wesentliches publiziert zu haben; solche Charlatane gibt es viele. Oft sind die „Ökonomen“ die zitiert werde auch einfach für eine negative Einkommenssteuer mit dem Wegfall aller sonstigen Leistungen, wie im Falle von Milton Friedman. Dafür bin auch ich, aber das ist in keinem Modus des Denkens ein bedinungsloses GE. Die negative Einkommenssteuer will Geld sparen und Bürokratie abbauen: das BGE will sie verbreitern und ausbauen. Die negative Einkommenssteuer entlastet nicht von der Verpflichtung zu Arbeiten, das BGE will genau diesen Unsinn anstreben.
    Liberale oder liberalistische Ökonomen-Stimmen werden missbraucht um Maskottchen für ein BGE zu erhalten. Ich bin für Liberalismus, aber nicht für Sozilaismus, den die BGE-Lobby will.
    Viele hielten auch den Kommunismus für das wichtigste Experiment ihrer Zeit. Ein teueres Experiment in Dollars und Menschenleben ausgedrückt. Ich will nicht noch mehr Menschenleben verlieren für eine Utopie und sage deshalb entschieden „NEIN“ zum BGE.

  3. Kranke Menschen schaffen Arbeitsplätze in der Pharmaindustrie. Kriege schaffen Arbeitsplätze in der Waffenindustrie. Die geplante Obsoleszenz schafft Arbeitsplätze und Abfall. Das ewige Wachstum schafft Arbeitsplätze auf begrenztem Raum.

    Raus aus dem Teufelskreis der Dogmatiker.
    Ein klares JA für das BGE.

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