Die Geschichte des Grundeinkommens

Philip Kovce und Birger P. Priddat veröffentlichen Grundlagentexte

Über das bedingungslose Grundeinkommen wird immer wieder lebhaft diskutiert. Es bewegt inzwischen die ganze Gesellschaft – Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, Unternehmen und nicht zuletzt Wissenschaftler nahezu aller Disziplinen. Philip Kovce, der an der Universität Witten/Herdecke (UW/H) Wirtschaft und Philosophie studierte, und Birger P. Priddat, der die UW/H-Seniorprofessur für Wirtschaft und Philosophie innehat, haben nun im Suhrkamp Verlag einen Sammelband herausgegeben, der sowohl die politische als auch die akademische Diskussion weiter voranbringt: „Bedingungsloses Grundeinkommen. Grundlagentexte“.

Das rund 500 Seiten umfassende Grundlagenwerk versammelt insgesamt 24 Texte zum Thema aus fünf Jahrhunderten. Zu den namhaften Autoren zählen die Staatsmänner Thomas Morus und Thomas Paine, die Ökonomen John Maynard Keynes und Milton Friedman, die Philosophen Bertrand Russell und Hannah Arendt sowie der Soziologe Ralf Dahrendorf, der Psychologe Erich Fromm und der Künstler Joseph Beuys. Kovce und Priddat haben die ausgewählten Texte bei Bedarf kommentiert und darüber hinaus in ihrer Einleitung Geschichte und Gegenwart des Grundeinkommensdiskurses kompakt zusammengefasst.

„Ideen fallen nicht einfach so vom Himmel, sondern entwickeln sich im Laufe der Zeit“, betont Philip Kovce, der derzeit an Priddats Wittener Seniorprofessur forscht. Und er unterstreicht sogleich die Bedeutung der Neuerscheinung: „Alle reden über das Grundeinkommen, aber kaum einer weiß von der wechselvollen Geschichte der Idee“, so Kovce. Das läge auch daran, dass viele ältere Quellen nur schwer zugänglich und teilweise nicht auf Deutsch verfügbar seien. „Das haben wir geändert“, so Kovce, „indem wir auch entlegenes Material von Bedeutung zusammengetragen und übersetzt haben.“

Dass die Herausgeber mit diesem Sammelband die Gesprächsgrundlage in Sachen Grundeinkommen auf breiter Basis verbessern wollen, betont auch Prof. Dr. Birger P. Priddat: „Nur wer die Vergangenheit versteht, kann die Zukunft gestalten“, sagt er. Unabhängig davon, ob man ein bedingungsloses Grundeinkommen befürworte oder nicht, müsse man wissen, worum es dabei gehe. „Schließlich ist das Grundeinkommen eines der großen Themen des 21. Jahrhunderts, das philosophische, politische und ökonomische Grundsatzfragen verhandelt“, so Priddat. Höchste Zeit also, dass dieses Grundlagenwerk nun endlich vorliegt.

Philip Kovce, Birger P. Priddat (Hg.)
Bedingungsloses Grundeinkommen. Grundlagentexte
Suhrkamp Verlag, Berlin 2019
514 Seiten, 26 Euro
Leseprobe als PDF:
https://www.suhrkamp.de/download/Blickinsbuch/9783518298657.pdf

Interview mit Philip Kovce bei n.tv:
Grundeinkommen wird wahlentscheidend

Comments

  1. Das bedingungslose Grundeinkommen ist wesentlich für die Wirtschaft des 21. Jahrhunderts. Es schafft Freiraum für Innovation und Unternehmertum. Es ist sozial und wirtschaftlich. Es ermöglicht, die immer schnellere Digitalisierung und Robotisierung gesellschaftlich zu integrieren. Es stärkt die intrinsische Arbeitsmotivation, da Menschen auch “Nein” sagen können. Und Menschen, die gerne arbeiten, arbeiten produktiver. Das bedingungslose Grundeinkommen wird kommen – früher oder später. Deswegen erörtern bereits heute führende UnternehmerInnen und ÖkonomInnen die Fragen, die sich mit Grundeinkommen stellen werden. Sie setzen sich dafür ein, die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens in der Gegenwart für die Zukunft voranzutreiben.

    http://www.wirtschaft-fuer-grundeinkommen.com/supporters/

  2. Und wieder ein unnützes Kompendium aus den Federn der Grundeinkommensschreiberlinge, das diesmal die Geschichte dieses absurden BGE-Entwurfes nachzeichnet…

    Wieder einmal kostet das Ding eine Stange Geld (auch die nur aus Daten bestehende online-Version), obwohl das BGE eigentlich einen Creative Commons Ansatz fordern würde.

    Im Buch selber findet man denn die Klassiker, auf die sich Häni und Kovce et al. stützen, oder vorgeben sich zu stützen. Ich kann nur für diejenigen Denker sprechen, welche ich gut kenne:
    – Russell war KEIN Vertreter eines BGEs. Er war ein Realist und die Absurdität eines „Geldes von Nichts für Nichts“ wäre ihm sehr merkwürdig vorgekommen. Er hatte auch Ahnung von Ökonomie und wäre daher ein Gegner des BGEs gewesen, auch wenn ein Befürworter von Arbeitszeitverkürzung für Alle, wie in Frankreich.
    – Keynes, obwohl realitätsfremd, wäre doch niemals so marxistisch gewesen einen Lohn fürs Nichtstun einzufordern. Keynes ist der Begründer des „Dritten Weges“ im Kapitalismus eine „Nachfrageorientierte“ Ökonomie zu schaffen. Leider ist Keynes‘ Ansatz falsch, und noch fälscher ist, ihn als Begründer eines BGEs hinanzustellen.
    – Milton Friedman war DEFINITIV kein Befürworter eines BGEs. Ihm ging es um die Verkleinerung des Sozialstaates. Um den Behinderten doch noch etwas zu geben, bekommen diese dann eine „negatives Transfereinkommen“, bezahlt durch die oberen Schichten. Dies würde, wegen dem Wegfall der Bedürftigkeitsprüfung dann leider auch der kalifornische Surfer bekommen, der nur schmarotzt, aber es wäre zu teuer vom Bürokratieaufwand her, den auch noch zu kontrollieren. Alle anderen Sozialausgaben vielen weg.
    Das ist aber überhaupt nicht, das was bge-Exponenten, wie Kovce fordern. BGE-Exponeten fordern in der Regel das BESTEHENBLEIBEN der heutigen Sozialwerke und ein BGE obendrauf. Dann rechnen sie uns vor, dass die Ausgaben von den heutigen Sozialwerken dann irgendwie in die Grundeinkommenskasse eingehen, aber das widerspricht ja gerade der Behauptung, dass die Sozialwerke bestehen bleiben werden. Man will also das Huhn und das Ei (für sich selbst) und die Kosten den Anderen. Ausserdem wäre ein BGE, in der Absicht eines Daniel Hänis, ungefähr und nach meinen Kalkulationen bis zu 5mal höher, als das was Friedman ursprünglich mal vorgeschlagen hat, für die Anreize intakt zu lassen.
    Mit einem Hänischen BGE wäre der Arbeitsanreiz aber dahin. Ich gehe doch nicht jeden Morgen aufstehen und arbeiten, wenn ich genau so viel hätte, mit BGE! und dann, wenn mich doch mal der Wunsch trifft für 3300 CHF arbeiten zu gehen, dass ich dann gleich wieder 800 CHF an den Staat abgeben muss, für meinen Nachbarn, der sich schon freiberuflich freigestellt hat und nun „Hängemattenlieger“ als Beruf angibt.

    Ne, ne Kinderchen. ein BGE geht nicht und wird nie gehen. Es geht analytisch (rechnerisch) nicht und es geht empirisch (ökonomisch-wissenschaftlich) nicht.

    Es geht nur in der Fantasie, wo es Faune und Götter, und Seelen und Ödipuskomplexe gibt. In der rationalen Wirtschaft hingegen geht es nicht!

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