Debatte zum Grundeinkommen in der Handelszeitung

Debatte: Die Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen sorgt für Wirbel. Handelszeitung.ch befragte mit Daniel Häni und Rudolf Minsch Befürworter und Gegner:

 

Grundeinkommen: «Initiative gegen Faulheit»?

 

Ausschnitt:

Die Kosten des bedingungslosen Grundeinkommens sind womöglich immens. Wie kann die Umstellung finanziert werden?

Economiesuisse-Chefökonom Minsch zollt den Initianten des bedinungslosen Grundeinkommens in dieser Frage Anerkennung: «Interessanterweise beschäftigen sich die Initianten relativ ausgiebig mit der Finanzierung», so Minsch. Besonders damit, wie diese am effizientesten zu gestalten wäre. «Damit haben sie vielen anderen Umverteilungsinitiativen einiges voraus.» Allerdings verkenne diese Diskussion das eigentliche Problem: «Fakt bleibt, dass rund ein Viertel des Bruttoinlandprodukts zusätzlich umverteilt werden müsste, völlig egal wie die Finanzierung aussehen würde.» Das sei nicht viel weniger, als Bund, Kantone und Gemeinden heute für ihre Aufgaben ausgäben. «In einer offenen Volkswirtschaft, wie die Schweiz eine ist, wäre dies in der Praxis wohl gar nicht umsetzbar, da wir nicht beliebig umverteilen können, ohne dass produktive Firmen und Arbeitskräfte das Land verlassen würden.»

Eine ganz andere Auffassung vertritt Häni: Das Grundeinkommen sei nominal weitgehend finanziert, sagt er. Die «immensen» 200 Milliarden Franken seien keine neuen und zusätzlichen Kosten die entstünden, sondern das Volumen, welches durch das Grundeinkommen ersetzt werde. Er schildert das Prozedere so: «Der Sockel aller bestehenden Einkommen wird durch das Grundeinkommen übernommen und gleichzeitig von unsinnigen Bedingungen und Zwängen befreit.» Zum einen seien das bestehende staatliche Transfereinkommen von rund 70 Milliarden Franken, zum anderen Erwerbseinkommen von rund 110 Milliarden. «90 Prozent des Volumens werden 1:1 durch das Grundeinkommen ersetzt.»

Die wirkliche Finanzierungsfrage sei laut Häni, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen unsere Gesellschaft produktiver mache oder nicht. Er ist optimistisch: «Aus meiner unternehmerischen Erfahrung weiss ich, dass die Menschen arbeiten und sich engagieren wollen», so Häni. Effizient und produktiv seien Menschen, wenn sie sich mit der Arbeit, die sie tun, identifizieren könnten. «Wenn wir die Menschen behandeln wie Maschinen, wie wir das getan haben im Industriezeitalter, oder sie nur als Reiz-Reaktions-Wesen ansprechen, dann können wir die Aufgaben und Probleme der Zukunft echt nicht lösen», so Häni. «Die Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen ist etwa genau so utopisch, wie die Abschaffung der Sklaverei und die Einführung des Frauenstimmrechtes.»

 

Umfrage bei der Handelzeitung:

Eine Initiative verlangt für jeden Schweizer ein bedingungsloses monatliches Einkommen von 2500 Franken. Was halten Sie davon?

Zur Umfrage

 

Die Handelzeitung eröffnet ein Dossier zum Grundeinkommen

 

 

 

Comments

  1. Eine sehr häufig angeklickte Auswahl dieser Umfrage lautet: „Leistung muss belohnt werden. “ Ja, Leistung müsste eigentlich belohnt werden. Leider ist dies in der Realität aber eher selten der Fall. Das liegt wohl in erster Linie daran, dass Leistung sehr schwierig objektiv zu beurteilen ist. Man sieht eben in erster Linie den Menschen, den Mitarbeiter, wie er sich präsentiert, wie er sich gibt. Es ist ein grosser Aufwand, nachzuforschen, wieviel er wann und unter welchen Umständen geleistet hat. Mindestens so wichtig wie die Leistung ist es, sich selber präsentieren zu können, sich selber verkaufen zu können, sich durchsetzen können und die richtigen Kontakte zu haben. Dies ist nicht allen Menschen gleichermassen gegeben. Das führt oft zu Ungerechtigkeiten. Das Bedingungslose Grundeinkommen könnte in dieser Hinsicht einen Ausgleich schaffen. Zumal immer mehr Leistungsdruck auch zu gesundheitlichen Problemen führen kann, und dies ist weiss Gott keine Belohnung.

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