Warum das bedingungslose Grundeinkommen nicht faul, sondern frei macht

WIENERIN

«Der Philosoph und Ökonom Philip Kovce plädiert für das bedingungslose Grundeinkommen, über das am 5. Juni 2016 in der Schweiz abgestimmt wird.»

Warum das bedingungslose Grundeinkommen nicht faul, sondern frei macht

 

 

In Ihrem Buch „Was fehlt, wenn alles da ist?“ plädieren Sie für ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE). Wie würde das konkret aussehen?

Das bedingungslose Grundeinkommen sichert die Existenz und ermöglicht Exzellenz. Wir leben in arbeitsteiligen Verhältnissen, in denen wir nicht mehr auf ein Stückchen Land, sondern auf unsere Mitmenschen angewiesen sind. Um für andere tätig werden zu können, benötigen wir heute ein Einkommen. Das Grundeinkommen gewährt jedem Einzelnen den Anteil seines Einkommens bedingungslos, auf den er unbedingt zum Leben angewiesen ist.

Wie wir wissen, sind vor allem Frauen von Armut betroffen. Inwiefern wäre ihr Leben einfacher, wenn es ein BGE geben würde?

Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein emanzipatorisches Projekt, weil es ermöglicht, dass jeder Einzelne sein Leben selbst gestalten kann. Das ist auch für Frauen ein Vorteil, die heute existenziell auf das Einkommen des Partners angewiesen sind. Allerdings wird das Grundeinkommen gerade von Feministinnen immer wieder scharf kritisiert und als Herdprämie verunglimpft. Das ist absurd: Ein Feminismus, der nicht auf die Selbstbestimmung der Frau, sondern auf das Nachäffen angeblich männlicher Rollenbilder setzt, entlarvt sich als paternalistische Ideologie.

Am 5. Juni 2016 wird in der Schweiz über das bedingungslose Grundeinkommen abgestimmt. Wie stehen die Chancen?

Die Chancen stehen gut, dass das bedingungslose Grundeinkommen durch die Schweizer Volksabstimmung an Bedeutung gewinnt. Das Thema ist jetzt auf dem Tisch, nicht vom Tisch. Zwar wird es in der Schweiz diesmal noch keine Mehrheit geben, aber eine Mehrheit wird das Grundeinkommen auch in Zukunft weiter bewegen.

Comments

  1. Wie sagt man? Mit vollen Hosen ist gut stinken. Aber dennoch: Die Schweizer waren mutig und haben als erste Nation das Volk über eine bedinungslose Grundsicherung abstimmen lassen. Die Einführung wurde heute abgelehnt, 22% der Schweizer stimmten jedoch dafür. Das Ergebnis war vorherzusehen und wird hier in der NZZ analysiert. Die Initiatoren können sich den Anstoss einer breiten Diskussion dieses zukunftsweisenden Themas auf die Fahnen heften.

    Die Zeit kommentiert die Schweizer Volksabstimmung zur Grundsicherung und verknüpft die pro und kontra Standpunkte mit einer gelungenen Animation zum Thema. Ideal um sich zum Grundeinkommen eine ersten Überblick zu verschaffen. Weiterführende Informationen zur Initiative Grundeinkommen sind für die Schweiz, Österreich und Deutschland auf den jeweiligen Länderwebsiten zu finden. Der Schweizer Webauftritt ist besonders informativ, weil er verschiedenste Meinungen in Kurzvideos festhält und ausführlichere Texte von Autoren unterschiedlichster Lebenswege anbietet.

    Was ich in der Diskussion auch nach längerem Suchen vermisse, sind Überlegungen zu den Begleitmassnahmen. Die Einführung einer bedingungslosen Grundsicherung ohne Begleitmassnahmen stammt ähnlich wie Merkels bedingungsloses Öffnen der Grenzen und Willkommenheissen von krisengeschüttelten Flüchtlingen dem naiven Idealismus einer westlichen Gutmenschkultur. Die europäische Migrationspolitik des Jahres 2015 hat ohne Begleitmassnahmen zu einem weiteren Erstarken der extremen Rechten geführt – mögliche Begleitmassnahmen habe ich Ende 2015 beschrieben. Eine bedingungslose Grundsicherung führt ohne Begleitmassnahmen zu ebenso unerwünschten Konsequenzen. Warum? Weil nicht jeder Mensch mit seiner Freiheit umgehen kann.

    Um keine Zweifel aufkommen zu lassen: Ich befürworte die Grundsicherung ebenso wie Solidarität gegenüber Flüchtlingen. Die Menschheit steht in den kommenden zwei Dekaden vor einer enormen Umwälzung des Arbeitsmarktes und muss sich für ein neues Modell der Arbeits- und Einkommensverteilung entscheiden. Einige Autoren haben in den letzten Jahren zu diesem Thema mit interessanten Gedanken gemeldet. Der Amerikanische Ökonom Tyler Cowen beschreibt in seinem 2013 Buch Average is Over: Powering America Beyond the Age of the Great Stagnation, die drastische Veränderung der Volkswirtschaften, welche nur mit einem neuen Gesellschaftsvertrag beantwortet werden kann. Der Unternehmer Martin Ford beschreibt in Rise of the Robots – Technology and the Threat of a Jobless Future, dass das Ende der Arbeit wie wir sie kennen vor der Tür steht, und ein Grundeinkommen notwendig ist, um Konsum als wesentliche Säule eines Wirtschaftssystmes nicht zu schwächen.

    Die Grundsicherung ist eine Notwendigkeit, die sich in den kommenden Jahren im mainstream verankern wird. Ich bin aber auch der Überzeugung, dass diese nicht bedingungslos sein darf; die Grundsicherung wird ansonsten zu einem Sozialkonzept marxistischer Natur, und wir wissen aus empirischer Erfahrung, dass der Marxismus ökonomisch am Wesen des Menschen gescheitert ist. Dieses Experimentes bedarf es kein zweites Mal.

    Mein unausgereifter Ansatz von notwendigen Begleitmassnahmen geht in Richtung von Zulagen für abgeschlossene Ausbildungen und soziales Engagement. Man könnte hier dem Beispiel des tertiären Bildungssektors folgen, welcher europaweit das European Credit Transfer System, kurz ECTS, anwendet. Ziel eines derartigen Punktesystems ist das Individuum in seiner grenzenlosen Freiheit zur Bildung und zum sozialen Engagement zu motivieren.

    Notwendigkeit dazu besteht. Die westliche Psyochologie und Psychiatrie beklagt ein stabiles Ansteigen von pathologischen Störungen und namhafte Vertreter dieser Fachrichtungen wie etwa Martin Seligman machen dafür das gesteigerte Ich zu Kosten eines geschwundenen Wir verantwortlich. Ebenso diskutieren weltweit Pädagogen, warum westliche Industriegesellschaften mit hohen Lebensstandards in standardisierten Bildungstests schlechter als die östlichen abschneiden. Selbst wenn man so wie ich PISA Tests kritisch gegenübersteht, so muss man doch mit Missmut konstatieren, dass das allgemeine Bildungsniveau nicht eben am ansteigen ist. Ja, wir konsumieren mehr und mehr Information, am besten passiv und happengerecht, aber wieviel Wissen oder noch besser, wieviel Weisheit bleibt dabei in unseren Ganglien hängen?

    Wissenschaftlich fundierte Begleitkurse zur Persönlichkeitsentwicklung könnten helfen. Unternehmen wie SAP geben für Kurse wie Search Inside Yourself jährlich Unsummen für die Entwicklung ihrer Mitarbeiter aus, um als Organisation innovativer und kompetitiver zu werden, und zufriedene Mitarbeiter bei ihrer Selbstverwirklichung zu unterstützen. Der Staat sollte die Empfänger einer Grundsicherung zur Absolvierung derartiger Kurse verpflichten. Schliesslich muss es auch im Interesse des Staates sein kompetitiver zu werden und seine Bürger bei der Selbstverwirklichung zu unterstützen.

  2. Ökonom wohl weniger, da schmückt sich jemand mit einem Titel, der ihm nicht zusteht.
    Philosoph schon eher, zumal der Titel „Philosoph“ auch nicht geschützt ist: Jeder kann sich Philosoph nennen, auch jemand der nicht ein Studium der analytischen Philosophie und der Wissenschaftstheorie hinter sich hat. Ein Philosoph kann ganz absurde Thesen vertreten, ein Wirtschaftswissenschaftler kann das nicht, oder er wird nicht zitiert von seinen Peers. Die „Publish or Perish“-These stimmt viellecht auch für Philosophen, aber da gibt es ganz viele verschiedene Gruppen, die sich immer gegenseitig zitieren, so dass man gar nicht rational sein muss um zitiert zu werden.
    Die Philosophie, im Gegensatz zur Wissenschaft hat eben nicht gelernt sich in Übereinstimmung gut zu tun.
    Klar die Übereinstimmung der Ökonomen ist bei wichtigen Fragen auch nur 95%, während die Naturwissenschaftler 99.5% Übereinstimmung aufweisen können, das zum Beispiel Evolution richtig ist, oder der Klimawandel stattfindet.
    In der Philosophie gibt es aber GAR keine Übereinstimmung und jder Hallodri kann alles erst einmal behaupten. Die Philosophiegeschichte lehrt uns des Weiteren, dass jeder Unsinn zumindest einmal schon irgendwo behauptet worden ist, und diese Philosophen weiterhin gelesen und zitiert werden VON Philosophen.

    Die Philosophie wird auch zu Recht kritisiert von den Wissenschaftler Richard Dawkins, Peter Atkins, Stephen Hawking, Steven Weinberg und Lawrence Krauss: Sie habe bisher die Wissenschaft nicht vorwärts gebracht, sondern habe die Wissenschaft sogar gebremst.

    Obwohl es heute einen kleinen Teil von Philosophen gibt, die zugeben eingentlich überflüssig zu sein, da alles Wissenschaft ist, sind die meisten Philosophen sogar noch eher Theologen als Wissenschaftler. Man muss von ihnen kein Wissen über dieses unsere Universum erwarten.

    Wenn ich ein Schneckenhaus verstehen will, dann gehe ich zum Biologen. Wenn ich Gravitation verstehen will, dann gehe ich zum Physiker. Wenn ich das Einkommenssystem verstehen will, dann gehe ich zum Ökonomen: Den Philosophen braucht es in diesem Wissenschaftssystem eigentlich gar nicht mehr. Er ist ein historisches Überbleibsel aus der Zeit in der wir die wissenschaftliche Methode noch nicht kannten. Seither ist er aber bestenfalls überflüssig, schlimmstenfalls bremsend gegenüber der Wissenschaft.

    Kovce ist sicherlich bremsend, da wenn er das Wirtschafssytem begriffen hätte, erkennen müsste, dass das BGE auf Dauer nicht geht.

    Klar ein zwei Monate reichen die Vorräte der Schweiz noch aus für ein BGE: danach bricht das System in sich inhärent zusammen und wir stehen wieder dort wo wir 1989 in Russland gestanden sind. Mit Gewaltanwendung des Staates lässt sich das BGE-System vielleicht auch ein oder 2 Jahre aufrechterhalten; dann kommt die Revolution.

    Ich glaube, dass die Schweizer genetisch nicht im Stande sind, ein BGE zu ertragen: Der Schweizer will arbeiten und er will nicht für Nichtarbeiter abgeben, die eigentlich arbeiten könnten: DAS ist das Prinzip der Schweizer Wirtschaft, nicht Hängenmattenpolitik und utopische Glücksversprechungen wie in der DDR und UdSSR.

    • Jetzt bringst Du schon wieder den alten Schmäh mit der DDR und UdSSR!
      Mann Fenner, Du wirst es in diesem Leben wohl nie mehr begreifen? Dir müsste man tatsächlich ein „Titel“ für den besten „Repeater“ (Nachplapperer) geben, denn das ist alles was Du kannst, wiederholen wiederholen wiederholen (repeat) was Dir Deine dunklen „Masters“ systematisch in Deinen linken „magnetischen“ Verstand eingehämmert haben. Du bist dort drin dermassen gefangen und total fremdbeherrscht, dass Du leider nicht mehr in der Lage bist selber auf das allumfassende elektrische „göttliche Bewusstsein“ zuzugreifen. Deine eigene Antenne (Pieal Gland Direct Access) ist total blockiert.
      Vonwegen DDR und UdSSR habe ich hier vor Jahren schon mal ein Beitrag geschrieben, den solltest Du unbedingt nochmal aufmerksam durchlesen.

      https://www.grundeinkommen.ch/grundeinkommen-in-der-arena-andiskutiert-erste-fazite/#comment-1038

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