Mittel oder Zweck

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Interview mit Daniel Häni im aktuellen trans magazin, Zeitschrift der Architektabteilung der ETH Zürich. Im Gespräch geht es um das bedingungslose Grundeinkommen, den biografischen Bezug zur Architektur, um das Kaffeehaus, Arbeitsmotivation, Vertrauen, Hierarchie, Zweifel und um neue Unternehmensformen:

MITTEL ODER ZWECK (PDF 4 Seiten)

 

Ausschnitt:

tr: Vertrauen baut Hierarchien ab, Kontrolle baut Hierarchien auf…

dh: …und Motivation ab. Wenn ich ständig alles kontrollieren würde, würden die Mitarbeiter sagen: «Mach doch den Scheiss selber.» Man denkt oft: Die Leute sind halt die Leute, die sind ja gar nicht so interessiert, denen ist doch alles egal. Das ist ein Fehler. Manchmal werde ich auch gefragt: «Ja hast du den keine Zweifel an diesem Grundeinkommen? Das wird doch in einer kollektiven Erschlaffung münden.» Und wenn ich dann manchmal am Wochenende Abends durch eine dieser Freizeitmeilen laufe, denke ich: «Was bin ich auch für ein Idiot? Und die haben jetzt bald auch noch ein Grundeinkommen, das ist ja furchtbar!» Also diese Konsumbelämmertheit, die sich da manchmal durch die Strassen bewegt – ich bin da immer wieder schockiert. Und wenn ich dann darüber nachdenke, merke ich, wie geprägt ich von Vorurteilen bin, welche wie ein Schleier über den Menschen liegt. Ich glaube, wenn ich da jeden Einzelnen ansprechen würde, wäre wahrscheinlich jeder interessant. Ich erlebe den Konsumrausch als Folge der heutigen Situationen, wo Menschen Dinge tun müssen, ohne danach gefragt worden zu sein, kontrolliert werden und sich gar nicht entfalten können – Arbeiten, die sie eigentlich gar nicht machen wollen und womit sie sich nicht identifizieren können. Dann ‹belohnen› sie sich mit etwas Konsumrausch: Kompensation der Sinnlosigkeit mit anderer Sinnlosigkeit. Deshalb finde ich es das beste Mittel, den Menschen selbst die Verantwortung zuzusprechen. Dann sind sie weniger ‹money-pulierbar›.

 

 

 

 

 

Comments

  1. Pingback: Konsumrausch |
  2. Wer weiß, dass er zum Leben genug hat, wird sich nicht mehr nur darauf reduzieren, sich zu irgendwie zu ernähren sondern nach mehr suchen und nach Sternen greifen, von denen er nie gewagt hatte, zu träumen und sei es die Selbstverwirklichung.

  3. # Der alltägliche Sozial-Darwinismus #
    Ich muss doch konsumieren, damit Arbeitsplätze entstehen. Ich muss doch ein Ferrari kaufen, damit ich schneller bin als andere. Ich brauche doch ein Lifting, damit ich jünger scheine. Ich brauche doch eine Krawatte, damit meine Fachkompetenz wenigstens kosmetisch sichtbar bleibt. Ich brauche doch Silikon, damit mein Busen grösser wird.
    Mit dem Grundeinkommen können wir den alltäglichen Sozial-Darwinismus überwinden. Dass heisst: nicht die Existenz-Angst ist Ursache unseres Handelns, sondern eine auf Freiheit beruhende Vernunft. Heute nennt man den Sozial-Darwinismus Kapitalismus. Ein billiges Wortspiel, damit man Ursache und Wirkung vernebeln kann. Deshalb glauben die Kapitalisten immer noch, dass Kampf und Arbeit das gleiche ist.

  4. Mich macht’s auch traurig, diese Art von Konsumrausch ~ und ja, je weniger wir uns selber spueren, wenn wir einzementiert sind in Situationen, die wir uns gar nicht so gewaehlt haetten, wenn wir nicht unsere soziale und wirtschaftliche Existenz bedroht gesehen haetten, machen uns wahrscheinlich blind fuer das, was wir konsumieren und auch die Menge, die wir konsumieren. Materielle Basiswuerde kann die Achtsamkeit gegenueber uns selbst und das Miteinander foerdern. Davon gehe ich aus. Danke.

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