Jean Ziegler

Jean Ziegler ist eine ausserordentliche Persönlichkeit. Er nennt die Sachen beim Namen. Aus einem Interview in der Zeit:

„Der World Food Report erklärt, dass wir mit unserer Landwirtschaft zwölf Milliarden Menschen normal ernähren könnten. Es gibt keinen objektiven Mangel. Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet. Und seine Mörder gehörten vor ein Nürnberger Gericht. Punkt, aus.“

Festspielrede 2011 – Der Aufstand des Gewissens

Es wird in Deutschland noch krachen

Roger Schawinski im Gespräch mit Jean Ziegler

 

Jean Ziegler zum Grundeinkommen:

a tempo: Eine letzte Frage zum Thema Arbeit: Sehen Sie in unserem europäischen Umfeld, vor dem Hintergrund der charakterisierten großen Linien, irgendeinen Aspekt als besonders wichtig an?

Jean Ziegler: Das Grundeinkommen! In einer Welt, in der die Bedeutung der Erwerbsarbeit immer mehr abnimmt, ist es eine der dringlichsten Ideen überhaupt. Die Arbeitslosigkeit wird steigen und es ist längst nicht mehr sicher, dass jeder immer Arbeit hat. Aber es ist in jedem Fall sicher, dass der Mensch immer essen muss! Das Grundeinkommen verhindert, dass ein Mensch in Existenzangst zurückgeworfen wird und verzweifelt. So gesehen ist ein geregeltes Grundeinkommen auch ein Beitrag zur Verteidigung der Demokratie, des Gesellschaftsvertrags und eigentlich der Zivilisation insgesamt.

Comments

  1. Ich kann Wolf nicht ganz folgen!
    Wobei ich seine Achtung vor der Persönlichkei von Herrn Ziegler teile!

    Jede echte Revolution findet erst in Erkenntnis und Einsicht seine dauerhaften Wurzeln!
    Jeglicher Zwang zur Weiterentwiklung ist eigentlich vorerst nur Oportunismuss und die wahre Entwiklung der Haltung wird im besten Fall erst folgen!
    Da unser Gehirn aber so gebaut ist dass es schockierende Erfahrungen wieder löscht, funktioniert die Schockteraphie nicht wirklich dauerhaft!!!
    Dies zeigt die Geschichte der Menscheit deutlich.
    Hilfreich für uns alle ist die Erkenntnis……?
    Stellen wir uns vor, inmitten dieser vielen abermiliarden von Galaxien gibt es mit unzweifelhafter Sicherheit
    Wesen von hoher geistiger Bildung!
    Wie wirkt unsere Haltung gegenüber unseren Mitbewohnern und der ganzen Schöpfung wen wir Vertreter der alten, harten und nicht erfolgreichen Schule der Gewalt und des Zwanges auf unserm Juwel von einem Planeten sind.
    Das einzig was uns von Raubtieren unterscheidet, was ist das wohl?
    Vegetarier sein reicht da wohl kaum!!!

    L.G. witschi

  2. Jean Ziegler steht wie ein Fels in der Brandung, der unserem heutigen Wirtschaftssystem trotzt. Denn dieses ist viel zu oft ausbeuterisch im Bezug auf den Mensch und auch auf die Natur. Der Mensch wird nämlich in der heutigen Gesellschaft wie eine Ware behandelt, die etwas wert ist wenn man sie brauchen kann, und sonst eben nicht. Es gibt jedoch Leute in denen viel Potenzial steckt, die aber trotzdem keinen Job finden, weil sie gewissen Idealen nicht entsprechen. Genau Leute wie diese soll das bedingungslose Grundeinkommen auffangen und sie nicht unter Druck bringen lassen. Zudem erlebt der Mensch in seinem Leben Höhen und Tiefen, und in den schwierigen Zeiten, wo er vielleicht seine Arbeit aufgeben muss um sich für ihn wichtigeren Dingen zu kümmern, sollen ihm finanzielle Sorgen daran nicht hindern. Ich bin desshalb Jean Zieglers Engagement zum Grundeinkommen sehr dankbar und hoffe, das die Menschen in der Schweiz bald in einer sozialeren Welt leben dürfen.

  3. Liebe Kommentatoren,
    Wenn ich Eure Kommentare lese, dann wird mir
    schwindlig und es fehlen mir die Worte.
    So wird es auch bleiben.

  4. Unglaublich was der Mann schon geleistet hat. Ich bin selbst ein Befürworter des Grundeinkommens, und hoffe dass sich die Idee durchsetzt. Leider teile ich die pessimistische Ansicht von Wolf. Die Hoffnung stirbt jedoch zuletzt, und wir wären schlecht beraten nicht alles zum erreichen dieses Ziels zu unternehmen.

  5. Mit Jean Ziegler’s Aussagen bin ich mehr als einig. Ich selbst bin zur Zeit in einer Lebenssituation, in welcher mich finanzielle Existenzängste so quälen und in tiefste Depressionen gestürzt haben, dass ich längst nicht mehr mich selbst mit all meinen Fähigkeiten und Talenten sein kann. Das geht bis zu Suizidgedanken. Das Schuld- und Betrugssystem, das wir Menschen kreiert haben, der ganze „Raubkapitalismus“ mit seinem Credo des „Trenne, binde und herrsche“ hat die Menschheit an einen gähnenden Abgrund getrieben, an dem wir alle mehr oder weniger stehen. In dieser grössten Krisenphase aller Zeiten und Epochen ist das Bedingungslose Grundeinkommen ein absolutes Muss, welches wenigstens die absoluten Grundrechte und Grundbedürfnisse eines Menschen wie Nahrung, Obdach und Kleidung decken würde! Auch und gerade hier in der Schweiz, in einem Land, in welchem einst einige Genossen ausgesagt haben: „Wir sind ein einig Volk von Brüdern“. Leider haben sie die Schwestern nicht einbezogen. Und das sind wir in unserer spirituellen Urnatur alle: Brüder und Schwestern, Töchter und Söhne eines bedingungslos, allliebenden Gottes, der nichts mit all den Mythen und Märchen der dogmatisierten Religionen zu tun hat. Warum sollten wir Menschen mit einer göttlichen Seele also nicht fähig sein, genau dieses Grundrecht und Geburtsrecht in Form eines bedingungslosen Grundeinkommens nicht durch- und umsetzen können? Wir müssen uns nur wieder an diese unsere wahre Urnatur der Einheit, des Eins-Seins, erinnern und alle falschen Mythen der Getrenntheit voneinander aufgeben. Tun wir das nicht, werden wir alle die nächsten 100 oder vielleicht schon 50 Jahre nicht mehr überleben! Wir besitzen eine kostbare, würde- und wertvolle Seele. Also setzen wir unsere wahre Intelligenz, unsere simple Logik ein und setzen das Grundeinkommen schnellstmöglich um. Die Zeit ist JETZT!

  6. ich glaube nicht, dass dann weniger gearbeitet würde, im Gegenteil es würde ein neues Gesellschaftsmodell mit anderen Werten entstehen, vieles würde mehr hinterfragt und nicht einfach so hingenommen werden. Geld wird ausgegeben die Wirtschaft belebt, alle die wollen hätten mehr Zeit für ihre Familien und Kultur, müssten nicht immer dem Geld nachrennen! Ich LEBE seit vielen Jahren so, ( kreativ) wie wenn ich ein Grundeinkommen hätte, nur mit dem Unterschied, dass ich dafür ab und zu bezahlte Arbeit annehmen muss die nicht meinem Naturell entspricht. Grundeinkommen? Ja klar!

  7. @ Wolf…und eben genau deswegen, sollten wir als einer der Reichsten Staaten ohne Öl, oder grosse Bodenschätze und auch sonst nicht viel wertvollem ausser unserer Intelligenz ja eigentlich ein gutes Beispiel sein und vorangehen. Wir haben es in der Hand, der Welt eine friedliche Lösung vorzuzeigen. Diese Lösung wird Veränderungen nach sich ziehen, die wir heute nicht alle abschätzen können. Gute wie auch schlechte. Im Vergleich zu heute allerdings, kann es nur besser werden.

  8. Ich bin ein großer Verehrer von Jean Ziegler. Seine aufrechte Haltung, die er sich jahrzehntelang unter enormen privaten Opfern bewahrte, seine analytische Klugheit und seine taktische Geschicklichkeit- all das findet meinen tiefsten Respekt.
    Dennoch teile ich seine Meinung zum Grundeinkommen nicht. Mir sind keine Menschen bekannt, die sich für das Grundeinkommen UND für Revolutionen einsetzen. Dabei weiß auch Jean Ziegler, das wirkliche soziale Verbesserungen erkämpft werden müssen. Reiche geben nun einmal nichts freiweillig ab. Da ist mir die Realitätsnähe eines Heiner Müller näher: „Große Menschengruppen haben noch nie etwas begriffen ohne Katastrophe, ohne Schock.“ Müller war es auch, der einem Bettler nichts geben wollte. Damit gab er seiner Hoffnung auf wirkliche Revolutionen Ausdruck, Müller glaubte nicht an eine friedliche Umwälzung. Uns muss tatsächlich erst das Wasser bis zum Halse stehen. Doch davon sind wir (in den führenden Industriestaaten) noch weit entfernt. Es werden die wirklich Armen dieser Welt sein, die ihr „Grundeinkommen“ mit Blut erkämpfen. Falls nicht vorher die großen Katastrophen (vielleicht ein Atomkrieg) auch das sinnlos machen.

Leave a comment