Irrweg Grundeinkommen – eine Buchbesprechung

irrweg

 

Eine Buchbesprechung von Enno Schmidt > PDF (6 Seiten)

 

Im November 2012 ist das erste Buch gegen das bedingungslose Grundeinkommen erschienen. Ein ganzes Buch. Gerade rechtzeitig, um unter dem Weihnachtsbaum zu landen. „Irrweg Grundeinkommen“ heißt es. Die Autoren sind ausgewiesene Experten der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik. Von ihnen möchte man sich gültige Urteile über Sinn und Machbarkeit eines solchen Grundeinkommens erwarten. Zumindest, wenn das Wort Grundeinkommen im Titel steht.

Doch nur im Vorwort und auf den folgenden 43 Seiten wird das Grundeinkommen ins Visier genommen, irreführend dargestellt und mit selbst gefalteten Aussichtslosigkeiten von der Bühne gefegt, um dort sich selbst mit den eigenen Vorlieben auszubreiten. Um die Aufmerksamkeit geht es, die sich die Autoren von dem Wort Grundeinkommen erwarten. Und darum, die vorsätzliche Absage an das Grundeinkommen schnell hinter sich zu bringen, um zum Eigentlichen zu kommen. Das Eigentliche ist für die Autoren ein Mindestlohn. Nicht neu, nicht originell, aber wer will, kann sich anhören, warum diese eine Dame und diese drei Herren, die das Buch geschrieben haben, nun auch dafür plädieren und raten, höhere geringe Löhne zu zahlen.

 

Schema der Kritik

Interessanter an dem Buch ist das Schema, nach dem Persönlichkeiten mit dem Nimbus des Fachkundigen gegen das Grundeinkommen argumentieren. Es wiederholt sich bei allen.

Zunächst gilt ihnen als ausgemacht, dass die Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens so ein Thema gar nicht durchdenken können.

Zweites haben sie ein ungefragtes Verständnis dafür, dass solche einfachen Leute, wie es die Befürworter eines Grundeinkommens ja wohl sein müssen, irritiert sind wegen der Finanzkrise, Managergehältern usw., dass sie die Komplexität des Geschehens nicht mehr durchschaue und aus Protest zu solch simplen, radikalen Ideen wie dem Grundeinkommen greifen.

Und darum fühlen sie sich drittens aus ihrer Kompetenz heraus nun berufen, dem Volk zu sagen, wie irreal diese Idee ist. Und wie gefährlich.

Worum geht es der abwehrenden Kritik? Darum zunächst, wie man zur Verteidigung der eigenen Kammer alles Hinhören vermeidet. Zweitens, wie man die Fragen und Vorschläge anderer als gegenstandslos in die Tasche steckt und drittens deren Energie aber nutzt, um das eigene Programm los zu werden. Es gehört zum Stil des Spiels, schon vor aller vermeintlichen Untersuchung zum Grundeinkommen ein paar lustige Knaller und begriffliche Bananenschalen auf den Boden zu werfen, über die man sich in der Folge selbst erschrecken kann und auf denen man garantiert ausrutschen wird.

 

Im vorliegenden Buch sind das so putzige Vorgaben wie: das Grundeinkommen entstamme der Phantasie vom Schlaraffenland einerseits und einer Endzeitstimmung andererseits, in der es eine einfache Lösung biete, um sich aus der „Gesellschaft zu verabschieden und sein Glück in der «Stille des Dorfteiches» (Ralph Dahrendorf) zu suchen.“

– «Stille des Dorfteiches» – Schöne Formulierung eigentlich. Das hat also ein Ralph Dahrendorf mal gesagt in irgendeinem Zusammenhang mit dem Grundeinkommen?

Die Autoren des Buches bauen da herum nun die Behauptung, beim Grundeinkommen ginge es darum, sich aus der Gesellschaft zu verabschieden. Das sei der Zweck des Grundeinkommens. Wie kommt man darauf?

Das ist die etwas billige Einschätzung der Autoren, die sich nichts weiter vorstellen können. Solche aus der Luft gegriffenen Behauptungen, die selbst konstruiert sind und unbefragte Assoziationen zur Grundlage haben, kommen in dem vorliegenden Buch vielfach vor und bilden das Szenario der fachkundigen Kritik am Grundeinkommen.

Nun folgern die Autoren weiter, mit einem Grundeinkommen zögen sich die Menschen in die Selbstversorgung zurück. Das sei schon heute ein Trend. Siehe Heimwerkermarkt. Und weil das Grundeinkommen nach Meinung der Autoren den Rückzug aus der Gesellschaft bezweckt, wird nun wissenschaftlich aufgezeigt, dass bei einer Zunahme der Selbstversorgung die Nachfrage nach Gütern am Markt sinkt, dass damit die Produktion nicht mehr genügend Absatz findet und auch sinkt, dass sie auch sinkt, weil viele weniger arbeiten, und dann – na was? – na dann die Welt zusammenbricht. Genauso, wie bei der Abschaffung der Sklaverei.

Die Autoren konstruieren Zusammenhänge, die sie scheinbar logisch abhandeln können.

Dabei ist Selbstversorgung heute weder Trend noch möglich noch nennenswert gewollt. Das Grundeinkommen erlaubt vielmehr Teilnahme an der Gesellschaft, als dass es den Ausstieg nötig macht. Es eröffnet in der Gesellschaft Freiräume und lässt mehr Tätigkeit für andere zu.

 

Doch viele haben die Frage:

Was wäre, wenn mit einem bedingungslosen Basiseinkommen für alle so viele ihre Erwerbsarbeit so weit reduzieren würden, dass nicht mehr genug hergestellt wird für alle?

Dann hätte das Grundeinkommen auch keinen Wert mehr, weil man sich nicht mehr viel damit kaufen kann.

Wenn das so käme, sollte uns wohl etwas einfallen, wie man dem entgegen steuert. Mit dem Entschluss für ein Grundeinkommens ist die Welt nicht zu Ende. Dann wird weiter gedacht, debattiert und verändert. Auf dem Weg der Einführung kann dazugelernt werden. Nur weil einem der Gedanke des Grundeinkommens so anders vorkommt, meint man, es ginge in allem dann ganz anders zu. Wenn die Auszahlung des Grundeinkommens dazu führt, dass wir nicht mehr genug zu Essen haben, dann bemerken wir das nicht erst, wenn die Regale leer sind. Dann kann längst vorher eine Änderung stattfinden. Und es greifen längst vorher Marktmechanismen, die verändern. Es kommt nicht zu dem so linear Befürchteten.

Die Befürchtung, dass es so kommen könne, geht von einer Annahme aus. Und diese Annahme ist ein Kern. Tun die Menschen etwas für andere nur für Geld, und lassen sie es, wenn sie ein Basiseinkommen haben, für das sie nichts verkaufen müssen? Ist also heute eigentlich keine ernsthafte Arbeit vorhanden, sondern tun die Leute nur blind irgendetwas für Geld? Gibt es den Wert der Arbeit nicht? Den Sinn, den Stolz, die Zugehörigkeit, das Können – gibt es nicht? Ist alles nur ein Verkaufen von sich und Lebenszeit fürs eigene Überleben? Wissen die Leute heute nicht, dass sie etwas für andere tun, wenn sie arbeiten? Und meinen sie, was sie sich für ihr Geld kaufen können, wäre nicht von anderen für sie gemacht?

So müsste es sein, wenn die obige Befürchtung echt wäre. Eine trostlos dahin vegetierende Gesellschaft wären wir also jetzt. Die man nicht vom Stachelhalsband des Müssens losbinden darf. Das ist die Annahme der Kritik. Eine Gesellschaft, am Laufen gehalten durch den Zwang zur Tätigkeit fürs eigene Überleben. Sau blöd. Aber das ist die Annahme. Wo sind die Menschen? Was tun Menschen? Was die Maschinen tun wird beschrieben. Aber was tun Menschen?

Gerne greifen Grundeinkommensgegner auch in die Vergangenheit zurück. Es müssen nicht gleich der Kommunismus oder die Zustände in der DDR sein, auch Griechenland eignet sich oder gescheiterte Armutsbekämpfung im 19. Jahrhundert. Kenntnisreicher wirkt natürlich, man kommt mit etwas, was keiner Kennt. So behaupten die Autoren, das Grundeinkommen sei ein Versuch des „dritten Weges“, den es aber nicht gäbe. Was mit dem „dritten Weg“ gemeint ist, erklären sie nicht. Da gab es mal was. Kennt aber keiner. Vielleicht, weil es ihn nicht gibt. Den Dritten Weg. Den gibt es nicht, sagen die Autoren. Das Grundeinkommen sei ein dritter Weg. Darum gehe das mit dem Grundeinkommen nicht. Das wäre somit bewiesen.

 

Der Fachmann

Bewiesen ist somit, dass diese Wirtschafts- und Finanzfachleute auf Grund ihres Faches keine Fachleute sind für die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens.

Sie tappen völlig im Dunkeln bezüglich der Idee eines Grundeinkommens und überrollen es mit ihrem Hamsterrad der sich stets drehenden Modelle und Tabellen. Sie haben keine Perspektive. Keinen Sinn. Das kommt nicht vor im Fach. Was sie Realismus nennen, ist ein Tippen auf tropfende Wasserhähne, die repariert werden sollten. Doch wohin soll es gehen? Was ist Staat? Was ist seine Aufgabe? Was ist Entwicklung vom Menschen? Was ist Arbeit? Das kommt in ihrer Wissenschaft nicht vor. Das gibt die Statistik nicht her. Ein bisschen mehr gerechter Ausgleich? – Der solange er gefordert wird nicht stattfindet. Ein Mindestlohn? – Der alles beim Alten lässt und noch verbohrter in die Röhre der angeketteten Bezahlung guckt. Ein Mindestlohn, der prima unterlaufen werden kann, weil die Leute nicht selbst ermächtig werden. An die hohen Einkommen und Vermögen ran kommen? – Die darüber schon lange schmunzeln. Politik geht in kleinen Schritten? Veränderungen sind Details? Ja. Aber eine Orientierung braucht es auch, sonst ist das Durchwursteln ein Kreisverkehr mit zunehmender Erstickungsgefahr. Weil aber Ideen, Perspektiven mit Sinn und konkreter Vision nicht im Fachgebiet vorkommen, meint das Fachgebiet, es gäbe sie nicht, es dürfe sie nicht geben. Der Fachmann wird zum Anwalt des Verhungerns.

Der Fachmann befindet sich in seiner eigenen Vergangenheit. Ideen überfordern ihn. Er setzt voraus, dass dieses Grundeinkommen nur wollen könne, was er selbst bereits im Kasten hat: Umverteilung, Armutsbekämpfung, vereinfachte Sozialleistung, Fehlanreize. Was den Fachleuten so einfällt als Probleme anderer. Auf ihrer eigenen Nasenhöhe gibt es kein Grundeinkommen. Aber von unten riecht es. Also werfen sie in Hausmannsart Angebissenes auf den Boden. Das sieht absurd aus. Das soll es auch. Das zeigen sie als Grundeinkommen. Für schön erklären sie, was sie auf dem Tisch haben.

 

Lohn fürs Nichtstun

Als „Lohn fürs Nichtstun“ wird das Grundeinkommen von manchen bezeichnet. Das liegt daran, dass sie den Unterschied zwischen Lohn einerseits und einem Einkommen zum Leben andererseits nicht hinbekommen in der Vorstellung. Ein Lohn hat einen Auftrag gehabt, ist ein Gegenwert, eine Bestätigung, eine Bezahlung. Was aber ist ein Geld, das nicht Bezahlung ist? Das mich nicht beauftragt mit etwas Bestimmten? Dass also auch nicht ein Anreiz zum Nichtstun ist oder ein Lohn für Faulheit? Das ist schwer zu begreifen, weil schwer zu begreifen ist, dass es ein Einkommen gibt, das eben nicht Lohn ist, nicht Bezahlung, und damit auch nicht Aufforderung oder Lohn für das Nichtstun. Schwer zu sehen, obgleich so naheliegend, dass Einkommen ohnehin immer das Leben meint und nicht die Arbeit.

 

„Der Staat als Nachtwächter der Einkommensverteilung?“ So sei es mit dem Grundeinkommen, heißt es im vorliegenden Buch. Dieser Pausenwitz ist die Assoziation der Autoren, auf der sie dann ernsthaft weiter argumentieren.

Mal stellen sie es so dar, dass die Erwerbseinkommen sich nicht verändern durch das Grundeinkommen. Das passt ihnen für das Szenario, dass sehr viele ihre Erwerbsarbeit reduziere auf wenige Stunden die Woche, weil sie zusammen mit dem Grundeinkommen dann soviel Geld hätten wie vorher. Das Szenario also, dass die Stundenlöhne gleich blieben, und viele mit arg reduzierter Erwerbsarbeit plus Grundeinkommen dasselbe hätte wie vorher. Das meinen die Autoren. Das ist allerdings naiv. Darüber haben sie nicht nachgedacht.

Damit stehen sie nicht alleine. Auch die offizielle Grundeinkommens-Studie der renommierten economiesuisse lässt außer Acht, dass Löhne, Gehälter, Honorare durch das Grundeinkommens sinken werden. So übersieht die Studie den wichtigsten Faktor der Finanzmechanik für den Transfer des Grundeinkommens.

Ein andermal behaupten die Autoren, alle Gehälter und Löhne würden per Dekret um die Höhe des Grundeinkommens gekürzt. Das sei das Modell von Götz Werner. Das allerdings ist falsch. Und es ist abwegig und irreal.

Das Naive und Irreale schreiben sie aber nicht sich zu, sondern es soll die Befürworter eines Grundeinkommens brandmarken.

 

Der Reflex der Ablehnung

Der erste Fehler der Autoren ist, dass sie das bedingungslose Grundeinkommen nur unter dem Aspekt der Umverteilung sehen. Die Umverteilung ist aber nicht die Idee des Grundeinkommens, sondern kann eine von vielen Folgen sein.

Der zweite Fehler ist, das Grundeinkommen nicht als Idee zu begreifen, sondern nur Modelle  anzugreifen. Dazu passt die unbedachte Vorstellung der Autoren, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen von heute auf morgen wie vom Himmel auf die Konten aller Mitbürger regnet. Das ist wirklichkeitsfern.

Die Autoren gehen willkürlich davon aus, dass die Regel eines bedingungslosen Grundeinkommens Rückzug ins Private heißt, weniger arbeitsteilige Produktion und mehr Selbstversorgung. Das aber sind von ihnen ausgemalte Szenarien, über die sich die Autoren selbst versorgen mit Argumenten gegen das Grundeinkommen.

 

Über drei Viertel des Buches geht es nicht um das Grundeinkommen, sondern um die Staatsverschuldung, den Pyrrhussieg der Exportüberschüsse, darum, dass der Arbeitsmarkt nicht als normaler Markt anzusehen ist und der Staat lenkend eingreifen muss.

Wo diese Erklärungen einen Nerv treffen und sich als konsequenter Schritt nach Vorne das bedingungslose Grundeinkommen ergäbe, folgern die Autoren lieber zurück in die Vergangenheit zu Maßnahmen, die einmal waren und verstärkt wieder sein sollen. Sie sind miteinander alt geworden, die Berater und ihre Ratschläge. Die Schwelle ins Jetzt hinein ist die Übergabe der Entscheidungsfindung und verantwortlichen Lebensführung an die vielen, an alle. Die Schwelle ist das Loslassen von der Denkweise, die stets mit ihrer guten Absicht bestimmend über andere sein will, die nicht sich als Person an Personen wendet, sondern Raster und Netze von oben auflegen will. Die Idee des Grundeinkommens aber geht sehr viel tiefer und naher. Sie geht an die Quellen. Ans Ganze. Ans Empfinden, an den Willen im Denken. Und daran, Macht abzugeben. Dagegen wendet sich der Reflex der Ablehnung.

 

Kontakt:

Enno Schmidt: [email protected]

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Comments

  1. Das bedingungslose Grundeinkommen ist in der Tat ein Wunschdenken und muss auch unter ideologischen Gesichtspunkten betrachtet werden, nur so entsteht auch genügend Zustimmung um diesen (meiner Meinung nach goldrichtigen) Weg zu beschreiten. Empfehlenswert ist auch diese dreiteilige Berichterstattung über das bedingungslose Grundeinkommen: http://unterdemradar.ch/artikel/bedingungsloses_grundeinkommen_teil_i/bedingungsloses_grundeinkommen_teil_i.php

  2. Zitat:

    Damit stehen sie nicht alleine. Auch die offizielle Grundeinkommens-Studie der renommierten economiesuisse lässt außer Acht, dass Löhne, Gehälter, Honorare durch das Grundeinkommens sinken werden. So übersieht die Studie den wichtigsten Faktor der Finanzmechanik für den Transfer des Grundeinkommens.

    Zitat Ende.

    Warum werden die Löhne etc. durch das Grundeinkommen sinken?

    Werden sie überhaupt sinken?

    Was geschieht, wenn infolge des Grundeinkommens die Nachfrage nach Arbeitsstellen – volkswirtschaftlich ausgedrückt ist das das Angebot von Arbeit – abnimmt, wenn manche, die bisher arbeiteten, nur noch Teilzeit und zum Teil gar nicht mehr wollen?

    Müsste nicht – vom Markt her – der Preis der Arbeitsleistung – also der Lohn – eher ansteigen?

    • sie müssen nicht, es wäre aber logisch, denn:
      heute sind die Lohnnebenkosten/ Steuern da, die die Kosten in die Höhe treiben.
      Wenn nun mit bGE nicht mehr Arbeit, sondern Konsum besteuert wird, dann sinken die Löhne automatisch, verstehste?
      Aber Du hast Recht, in der Verahndlungsfreiheit auf dem Arbeitsmarkt (der dann eben erst einer ist), kann es auch sein, dass sie nicht sinken, und zwar bei Tätigkeiten, die weniger Abnehmer findet, als angeboten werden

  3. Beim Grundeinkommen muss man zunächst bedenken, dass in alten Zeiten – noch vor dem Mittelalter – viele Dinge, die heute Geld kosten, umsonst waren. Man konnte also ohne Geld leben.

    Im Mittelalter degenerierte die Geldwirtschaft der Römer immer mehr hin zu einer Gesellschafts- und Wirtschaftsform, die von Grundherrschaft und Leibeigenschaft bzw. Hörigkeit bestimmt war, nämlich zum Feudalismus.

    Hier war man vom Leibherrn abhängig; aber immerhin – im Gegensatz zur Sklaverei – durfte einen der Herr nicht einfach verkaufen oder töten, sondern war für die Sicherstellung des Existenzminimums verantwortlich.

    Viele Hörige verfügten – zumindest im frühen Mittelalter – über kein Geld.

    Heute jedoch ist das Leben ohne Geld nicht mehr möglich; Zeiten der Vollbeschäftigung wie die goldenen fünfziger und sechziger Jahre des Wirtschaftswunders sind – systembedingt – eine große Ausnahme.

    Daher besteht für ein Bedingungsloses Grundeinkommen eine gesamt-gesellschaftliche Notwendigkeit.

  4. Hallo zusammen,

    Enno Schmidt (und der Ärger gegenüber der postulierten Alternativlosigkeit) angesichts des Buchs „Irrwege“ bringt mich neu an die schon länger ins Spiel gebrachte Frage nach dem Bedingungslosen im Betrachten eines Menschen. Was soll menschliche Würde sein? Menschenrecht? Vieles, was früher zur Erklärung der Verhältnisse wichtig schien, gilt heute nicht mehr: Sklaverei, Recht von Macht zu entkoppeln, Diskriminierung von Geschlecht und Orientierung, usf.. Zunehmend bemerke ich wie wichtig mir erfahrene Unterschiede zu anderen werden, um mich selbst „sachgemäßer“ einzubringen. – Das scheinbare Wunder ist mir, ich lerne mich mehr und mehr kennen als Gestalter meiner Biographie, nicht nur als „Produkt“ der Umstände. Das führt bei mir zu einer tieferen Achtsamkeit anderen gegenüber. – Das ist machen vielleicht schon eine Selbstverständlichkeit. Eben 🙂

    Herzlich, Konstantin

  5. Die Idee des Grundeinkommens basiert auf dem Gedanken, dass Niemanden die Welt auf der wir alle leben allein gehört und dass jedes Wesen das auf ihr geboren wurde ein Anrecht darauf hat, die Welt seiner Art entsprechend zu bewohnen.
    Gemeinschaft bedeutet: „Alle für Einen und Einer für Alle“ was soviel heißt wie:
    Die Gesellschaft trägt ihren Möglichkeiten entsprechend jedes einzelne Mitglied ihrer Gemeinschaft und jedes einzelne Mitglied trägt seinen Möglichkeiten entsprechend die Gemeinschaft.
    Jeder Einzelne steht somit vor der Frage: „Was bin ich bereit und in der Lage von meinem „Vermögen“ (Mein Eigentum und das, was ich zu tun vermag) in die Gemeinschaft einfließen zu lassen, um die Gesellschaft zu befähigen, jeden Einzelnen ihrer Gemeinschaft zu tragen.
    Der „Erfolg“ eines Projektes wie das Grundeinkommen wird sich demnach daran messen lassen, in welchem Umfang die von der Gemeinschaft getragenen Einzelnen ihr dadurch gewonnenes „Vermögen“, also das, was der von einem Großteil des individuellen existenziellen Druckes befreite Einzelne zum Wohle der ihn tragenden Gemeinschaft einsetzen wird.
    Ein äußerst spannender Aspekt, der im Rahmen der Diskussion um das Grundeinkommen leider annähern unbeachtet bleibt, obwohl sich daraus der „Gewinn“ für die Gemeinschaft am deutlichsten ablesen lassen würde !

  6. Ich finde es schön das sich „Fachleute“ zusammensetzen um ein Buch zu schreiben das Menschen vor dem BGE warnen soll. Es ist doch fantastisch das es so noch schneller in aller Munde ist und vor allen Dingen ernst genommen wird. Ich habe in den letzten Jahren den Eindruck gewonnen das es den meisten Fachleuten oder Wissenschaftlern nur noch darum geht wahrgenommen zu werden und anerkannt zu sein. Also eher ein Egoding. Das BGE mit all seinen Auswirkungen ist einfach der Gegenpol zur „Angst vor dem Leben(Veränderung)“ und so kann man auch deren Gegner betrachten. Geben wir ihnen noch etwas Zeit und sind etwas nachsichtig.

  7. Eine sehr sehr enttäuschende Buchbesprechung. Ich hatte mich nach Erscheinen des Buches darauf gefreut, endlich eine Kritik des Werkes zu lesen. Ich bin eigentlich GE-Befürworter aber nach dieser Besprechung frage ich mich: ist das die beste Kritik, die wir dem Buch entgegensetzen können?

    Sorry, aber Ralf Dahrendorf sollte man kennen (Wikipedia hilft). Der hat tatsächlich relevante Sachen geschrieben, die fürs GE wichtig sein können, da muss man hier nicht mit seiner Ignoranz prahlen.

    Genauso der „Dritte Weg“ – Giddens, Tony Blair und Gerhard Schröder sollte man eigentlich kennen, und wer mal einen Einführungskurs in Politik, Sozialwissenschaften oder Soziologie besucht hat, dem schlackern hier die Ohren bei so einer Unkenntnis. Das ist KEINE gute Werbung für das GE.

    Auch die „Modelle und Tabellen“ hier so abzutun ohne sich inhaltlich damit auseinanderzusetzen finde ich sehr sehr schwach. Gib doch zu, dass du die Methoden nicht verstehst. Das wäre ehrlich und in Ordnung. Aber die Passage „Der Fachmann“ ist hochnotpeinlich.

    Das GE braucht gute Verbündete aus der Wissenschaft, aber wenn wir nicht auf Augenhöhe mit renommierten Wissenschaftlern kommunizieren können – dann sollten wir lieber schweigen (oder besser, die richtigen Fragen stellen anstelle sich hier so aufzuspielen).

    • Ihre Meinung bleibt Ihnen unbenommen.
      … >> Aber um auf Augenhöhe miteinander kommunizieren zu können,<> sollten wir lieber schweigen<<.

      • Da ist ein Fehler passiert.
        Nochmals:
        Ihre Meinung bleibt Ihnen unbenommen.
        … >> Aber um auf Augenhöhe miteinander kommunizieren zu können<>sollten wir lieber schweigen<<.

        • So, letzter Versuch. Keine Ahnung, warum ein Teil meines Textes nicht erscheint.
          Ganz einfach: Ich meine, zu einer guten Kommunikation gehört, dass ich mich mit meinem Namen vorstellen.

          Mal sehen, ob jetzt alle Wörter bleiben 😉

    • Das Buch Irrweg Grundeinkommen ist eine vorsätzliche Irreführung. Ich finde es mittlerweile einfach unerträglich, was sich sogenannte Fachleute erlauben. Vor allem ist es das Gegenteil von wissenschaftlicher Auseinandersetzung, was da abgeliefert wird. Es ist höchst willkürlich. Es werden aus vorgefasster persönlicher Ablehnung diffamierende Assoziationen zur Argumentationsgrundlage missbraucht. Ich finde es harrsträubend, was sich da wissenschaftlich nennt. Diese Auseinandersetzung frisst nur Zeit. Sie dient dem Selbsterhalt der Verfasser des Buches, keiner Erkenntnis. Ich wiedrhole ganz deutlich, dass die Zeit dieser Fachmannschaft vorbei ist. Sie ist gesellschaftlich irrelevant. Da sind keine Fähigkeiten.
      Ralf Dahrendorf hat wichtige Gedanken zum Grundeinkommen geäußert. In dem Buch aber wird ein einziges kurzes Zitat herausgenommen, um in der erwähnten Weise das Grundeinkommen zu diffamieren. Keine Spur einer ernsthaften Auseinandersezung.
      Dass Tabellen und Modelle zur jetzigen Zeit nur eine untergeordnete Rolle spielen, wiederhole ich noch einmal. Vor allem, wenn sie nur hergenommen werden, um sich mit der Idee nicht auseinander zu setzen. Vor allem, wenn sie – wie im vorliegenden Fall – auf falschen Voraussetzungen aufbauen, und wenn sie – wie es fast durchgehend der Fall ist – die Komplexität des Themas nicht beachten, wenn sie von einem selektiven Ist-Zustand aus abstrak in die Zukunft folgern. Es fehlt Prozessbewusstsein. Ehrlicher wäre es von der Wissenschaft zu sagen: über Zukunft können wir gar nichts aussagen, wir können nur in 50 Jahren, wenn das Grundeinkommen vielleicht schon 15 Jahre eingeführt ist, nachweisen, dass das Grundeinkommen eingeführt ist. Das ist keine Hähme, sondern nennt den Ort, den die Wissenschaft einnehmen kann.

      Der Hinweis, die richtigen Fragen zu stellen anstatt sich aufzuspielen, ist allerdings gut. Vielen Dank.
      Ich arbeite daran.

      Die Autoren des Buches und viele vehemente Gegner des Grundeinkommens kämpfen gerade darum, keine Frage anzunehmen. Mir ging es darum, dem nicht artig das Tablett hinterher zu tragen.

  8. Beim Thema „Bedingungsloses Grundenkommen“ (BGE) geht es, genau so wie beim Thema „Geldschöpfung an den Staat“, um einen Paradigmenwechsel: Diese sind bekanntlich nicht so einfach zu haben…
    Und sehr wahrscheinlich auch nicht mit dem „derzeitigen politischen Personal“…
    Zudem müßten wohl beide Paradigmen miteinander kombiniert werden, zwecks Finanzierung des BGE…
    Wie also? Durch eine große Mobilisierung von unter…!

  9. Danke für diese hervorragende Buchbesprechung!

    Sie schreiben „… dass solche einfachen Leute … die Komplexität des Geschehens nicht mehr durchschauen …“
    Es fällt mir auf, dass dies ein Argument ist, das immer öfter bei politischen Themen gebracht wird, um Menschen zu diskreditieren und mundtot zu machen. Eine Abwertung denjenigen Menschen gegenüber, die aus ihrer persönlichen Betroffenheit und Erfahrung mittels des „Erfahrungswissens“ auf neue Lösungen für ihre Lebens-Probleme kommen.

    Ich finde, es wäre eine enorme Bereicherung für die diversen ExpertInnen und PolitikerInnen den „einfachen Leuten“, die ja nicht so einfach sind, gut zuzuhören! Dass es hier auch um andere Lebens- und Menschenbilder geht, ist offensichtlich noch nicht angekommen.
    LG Monika Krampl

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