Grundeinkommens-Debatte in den USA zieht grössere Kreise

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Die kleine Schweiz hat eine grosse Initiative. Die Einreichung der Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen und die internationale Berichterstattung von der NYTimes, über die BBC bis zu Fox-News wirkt auch in den USA nachhaltig. Das Bild ist gesetzt: das Geld ist da. Über lange Jahre blieb die US-Debatte streng akademisch. Nun verbreitert sich die Auseinandersetzung in die Politik. Bezeichnend ist der – entgegen dem europaisch moralisch idealistischen – pragmatische Stil der Debatte. Hier zwei aktuelle Beispiele:

 

Im The Atlantic, einer renommierten Politik-Monatszeitschrift, wird die US-Debatte um den zukünftigen Wohlfahrtsstaat auf den Punkt gebracht:
The Conservative Case for a Guaranteed Basic Income

Das US-Amerikanischen Dilmma: Armut wird immer mehr zu einem Massenphänomen und ragt bis in die Mittelschicht hinein. Und: Die Demokratische Obama-Regierung ist faktisch handlungsunfähig aufgrund der agressiven Rufen eines „Schlanken Staats“ von Seiten der Republikaner. Kritiker sprechen von den wuchernden 79 Zustupfmöglichkeiten für Einkommensschwache. Für Noah Gordon, Autor des Atlantik-Artikels liegt die Lösung auf der Hand: ein bedingungsloses Grundeinkommen! Damit hätte sowohl die Armut ein Ende als auch der wuchernde Hilfskatalog.

Dylan Matthews hat auf der neuen Medienplattform vox.com erneut ein Plädoyer für das Grundeinkommen in den USA veröffentlicht:
Giving everyone a basic income would work for the same reasons Social Security does

Vox.com wird massgeblich von Chefredaktor Ezra Klein geprägt, ein klarer Verfechter des Grundeinkommens. Es ist ein Übersichtsartikel. Er geht sowohl auf die Möglichkeiten, die Dilemmata und die Geschichte des Grundeinkommens in den USA ein. Der Autor kommt zum Schluss: die geleistete Forschung kann zwar vieles aufzeigen aber jetzt müssen wir handeln!

 

„Policy Makers“ – so heissen im US-Amerikanischen Diskurs diejenigen, die neue Ideen politisch umzusetzen versuchen. Glaubt man den Beobachtern von „The Atlantic“ oder „vox.com“, könnte die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens mehr und mehr an Popularität gewinnen – vor allem in Konservativen Kreisen. Warum? Die Idee ist simpel und löst viele gegenwärtige Probleme, die gemeinhin als unlösbar gelten. Die US-Debatte ist direkt und schnörkellos und zieht jetzt immer grössere Kreise. Das sollte für uns im alten, langsamen Europa von grossem Interesse sein.

Che Wagner

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Comments

  1. Mit dem Grundeinkommen bräuchte es auch keine Wirtschaftssubventionen mehr, auch keine Bankenrettungen usw. Selbst wenn es mal Verluste gibt alle wären abgesichert. Da würde viel Geld frei werden, Bürrokratie könnte abgebaut werden.

    Ich denke das man mit den trockenen wirtschaftlichen Fakten mehr Menschen wird überzeugen können als mit der ethisch Philosophischen Argumentation. Denn in unserer Konkurrenzgesellschaft sind die Leute einfach nicht so offen für die soziale Komponente.

    Das rationale Argument des Bürrokratieabbaus und das es dankt Robotik ohnehin nicht mehr genügend Jobs geben wird zieht da in der regel besser.

  2. Hoffentlich ist auch ein Deutschland die Verschlankung von Staatsaperates und Bürokratie bald kein Tabuthema mehr. Das bedingungslose Grundeinkommen wäre für viele gesundheitsschützend: Depressionen und Burnout bei börsennotierten Konzernen, Kind krank kann zu Hause bleiben, Senioren müssen nicht ins Pflegeheim, da Kinder sie pflegen können ohne eigene Existenzangst, Studium ohne Studienkredit in Höhe von 20.000 €, arbeitslos bedeutete nicht Atemnot und Rentner müssten nicht nach Pfandflaschen suchen, obwohl sie vorher ihren eigenen Unterhalt ein Leben lang selbst bestreiten konnten. Wer mehr will, arbeitet dafür und bekommt es. Kein Platz mehr, für Neiddebatten. Das Geld ist vorhanden.

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