Grundeinkommen bei FOX – in den USA startet eine Debatte

fox.b

„Eine großartige Idee aus der Schweiz“ ruft der FOX Business Moderator.

 

Ausgelöst durch einen Artikel über die Schweizer Volksinitiative in der New York Times wird das Grundeinkommen in den USA zum Diskussionsthema. Am 15. November wurde gleich auch eine Petition an die Obama Administration gestartet. Sie steht auf der Website des Weißen Hauses zur Unterzeichnung. Bis zum 15. Dezember müssen es 100.000 Unterschriften sein. Die Forderung: Führt für alle Amerikaner ein garantiertes Grundeinkommen ein, ähnlich wie es in der Schweiz vorgeschlagen ist. Die Begründung dafür: Das Grundeinkommen beseitigt Armut und baut die Bürokratiekosten ab.

Enno Schmidt fasst im folgenden die neusten Medienbeiträge in den USA zusammen:

 

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Bei FOX Business diskutieren am Freitagabend zu bester Sendezeit der Wirtschaftswissenschaftler Peter Morici und der Wirtschaftspolitiker Christian Dorsey. Titel: „Ein Grundeinkommen einfach so zum Leben?“

Dorsey ist davon angetan, dass die Schweiz da etwas auf den Tisch legt, was andere Länder zwar auch machen, auch die USA, aber viel uneffizienter. Wenn man alle Zuschüsse an Unternehmen, damit sie Leute einstellen, alle Sozial-Bürokratiekosten und Sozialausgaben zusammenfassen würde und als Grundeinkommen auszahlt, wäre das fairer, sinnvoller und würde nicht mehr kosten.

Peter Morici hält aufgeregt dagegen: Es hätte schlimme Auswirkungen auf den Arbeitsanreiz. Vor allem die jungen Leute würden nur noch am Strand abhängen. Die Steuern würden zu hoch und die Preise würden steigen.

Allerdings, so räumt Morici ein, wäre das Grundeinkommen für alle immer noch besser als das derzeitige „Obamacare“. Whow. Aber er schließt mit dem üblichen Missverständnis: „Wenn du die Leute dafür bezahlst, nicht zu arbeiten, dann gehen sie nicht arbeiten.“

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slate

Bei Slate schreibt Danny Vinik die Idee des Grundeinkommens zwei Autoren der Zeitschrift The Atlantic zu: Matt Bruening und Elisabeth Stoker. Für Vinik ist die Sache klar: stagnierende Löhne, rapide wachsende Ungleichheit der Löhne. Seit der Rezession geht alles den Bach runter. An die 50 Millionen Amerikaner leben unter der Armutsgrenze. Die Programme der Regierung reichen nicht. Vinik geht der Finanzierung des Grundeinkommens nach und kommt zu dem Schluss, dass es auf jeden Fall zu finanzieren ist. Die Vorteile des Grundeinkommens liegen für ihn auf der Hand: Keine Armut mehr, mehr gleiche Augenhöhe zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgebern, unterm Strich bessere Löhne. Dass Geld nicht der primäre Anreiz zur Arbeit ist belegen genügend Studien. Die Leute würden auch weiterhin genügend arbeiten. Vielleicht mehr halbtags. Weniger Bürokratie und weniger gequälte Zeitverschwendung mit dem endlosen Ausfüllen von Anträgen und sonstigen Papieren. Bessere Elternzeiten, was auch der Gesellschaft insgesamt zugute kommt.

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blog.nyt

 

In einem Blog der New York Times schreibt KJ Dell`Antonia über die positiven Auswirkungen des bedingungslosen Grundeinkommens auf das Leben von Familien. Doch dann erschrickt sie vor ihren eigenen Gedanken und fragt sich: Könnte das Grundeinkommen doch eher eine Ablenkung sein als eine Lösung? Diese Frage gibt sie an die Leser weiter.

Worauf eine lange Reihe an Leserkommentaren folgt, die sich oft begeistert, manchmal kritisch, mal zynisch zum Grundeinkommen äußern. Der Anfang einer großen Diskussion.

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fox.bu

Bei FOX Business erklärt Veronique De Rugy von der George Mason University enthusiastisch, wieso das bedingungslose Grundeinkommen viel sinnvoller als das jetzige Sozialsystem sei. Viel fairer zu den Menschen. Es hätte nur den Nachteil, dass es den Kongressmitgliedern ihr Spielzeug zum Gutsein wegnehme, ihre immer neu ausgedachten Spezialregeln für andere – die nichts bringen.

Der erregte Moderator rettet sich zum Schluss: Das passiert in Amerika nicht, so ein Grundeinkommen. Aber das ist eine gute Idee!

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bloomberg

 

Bei BLOOMBERG beginnt Megan MCArdle mit einem Missverständnis: „Das Grundeinkommen ermöglicht jedem, im Jahr 67.200 Dollar zu verdienen ohne etwas zu tun.“ Aber auch sie sieht Vorteile für Familien und besonders für Alleinerziehende. Fragend zitiert sie Georges Murray von American Enterprise mit dem zweideutigen Satz: „Füttere die Armen und hungere die Bestie aus.“ Und sie zitiert Evelyn Forget von der Universität von Manitoba, wo von 1974 bis 1979 ein Grundeinkommensexperiment mit 1000 Personen unterhalb der Armutsgrenze durchgeführt wurde, das zur Folge hatte, dass Mütter länger bei ihren Kindern blieben, Jugendliche mehr zur Schule gingen und viel mehr gute Abschlüsse machten. Wie kam das? Evelyn Forget wertete das Projekt aus: „Wenn sie ein soziales Programm wie dieses haben, verändern Gemeinschaftswerte sich von selbst.“

Miss McArdle ist gespannt darauf, wie sich das bedingungslose Grundeinkommen in der Schweiz auswirkt – denn wenn es da gut kommt, kommt es auch in den USA.

An ihren Artikel schließen sich sehr viele Leserkommentare an.

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Bei Motherboard geht Brian Merchant der Geschichte des Grundeinkommens nach. „Denn das ist ja wohl kaum eine neue Idee! Islamischen Kalifen, amerikanischen Revolutionäre, Science-Fiction Autoren und Martin Luther King, Jr. haben sich für das Grundeinkommen eingesetzt.“

In seinem letzten Buch „Wohin gehen wir von hier: Chaos oder Gemeinschaft?“ schrieb M. L. King: „Ich bin jetzt überzeugt, dass die einfachste Herangehensweise sich als die wirkungsvollste erweisen wird – die Lösung, wie Armut abgeschafft werden kann, liegt unmittelbar in der jetzt weitläufig diskutierten Maßnahme: das garantierte Einkommen.“

Brian Merchant gräbt die lange verschollene Novelle „Für Uns, das Leben“ des Science-Fiction Autors Robert Heinlein aus. Geschrieben in den 30er Jahren. Darin: Im Jahr 2086 erhalten alle Bürger einen „social credit“. Dieses „minicom“ hilft, die Überproduktion zu korrigieren und das Modell des ewigen Wachstums, und es gibt jedem soziale Sicherheit. Es wird von einer Zentralbank ausgezahlt und verdankt sich der gestiegenen Produktivität durch Maschinen.

Auch Brian Merchant erwähnt Georges Murray, der mit seinem Vorschlag für ein bedingungsloses Jahreseinkommen gegen staatliche Lösungen in komplizierten Sozialleistungen war und freie Kaufkraft für alle wollte.

Brian Merchant schließt mit der Bemerkung, das Grundeinkommen entspräche dem lobenswerten Ziel, die Armut abzuschaffen – unsere schnell wachsende Technologie könne es bald für alle notwendig machen.

 

 

 

 

 

 

 

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Comments

  1. Guten Abend,

    ich las gerade die Zusammenfassung der Reaktionen der amerikanischen Medien auf den Artikel der New York Times und dass in USA auch eine Petition stattfindet usw.

    Vielleicht als Anregung; es wäre vielleicht gut, die Kurzinformationen „warum, wer, wie, wieviel“, die das bedgingslose Grundeinkommen erklären, auch in englisch zu übersetzen, da diese Informationen die wichtigsten Fragen und Hintergründe kurz zusammenfassen und erklären.

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