Ein bedingungsloses Grundeinkommen: Krönung, Notverband oder Voraussetzung der neuen Arbeit?

Interview mit Daniel Häni von Dagmar Boedicker für die Zeitschrift FifF Kommunikation: Zukunft der Arbeit – Arbeit der Zukunft: Wer steuert wen?

Ein bedingungsloses Grundeinkommen: Krönung, Notverband oder Voraussetzung der neuen Arbeit?

 

Aus dem Text:

«Daniel Häni: Es ist absehbar, dass alle Tätigkeiten, die berechnet und beschrieben werden können, den Menschen abgenommen werden. Die Frage ist aber offen, ob das zum Sozialdrama oder zur Erfolgsgeschichte wird. Das größte Risiko sehe ich also darin, dass wir die Möglichkeiten und die neuen Herausforderungen, die sich durch die Digitalisierung ergeben, verschlafen oder zu Ungunsten der Menschen auslegen. Die größte Chance sehe ich darin, dass wir durch die Digitalisierung bemerken, dass in Zukunft Fleiß und Gehorsam nicht mehr gefragt sein werden – die Maschinen können das besser –, dafür aber der Bedarf nach Kreativität und Eigenverantwortung steigen wird. Ich glaube, wir sind gut beraten in der Erziehung, ja in allem was wir tun, die kommenden Tugenden auszubilden und zu fördern. Zu den neuen Tugenden zählt auch die Wahrnehmungsfähigkeit: unvoreingenommen und genau wahrnehmen zu können.

Das wirklich Soziale entsteht gerade durch das profilierte Individuelle. Und das Eingebundensein steht – wenn es fruchtbar organisiert ist – im Dienst der Autonomie des Einzelnen. Das ist das Geheimnis, das durch die neue Aufklärung gelüftet wird. Sie können es auch übertragen auf das Begriffspaar Kapitalismus/Kommunismus oder ganz einfach auf die Ideale des Sozialen und des Liberalen. Fruchtbar wirken tut der Mensch, wenn das, was er tut, für die Anderen sinnvoll ist. Und die Gemeinschaft wiederum ist nur sinnvoll organisiert, wenn sie der freien Entfaltung des Einzelnen dient.

FK: Würden sinnvolle und gesellschaftlich nützliche Aktivitäten dadurch ermöglicht und gefördert?

Wahrscheinlich. Wir kommen zum Kernstück der Grundeinkommens-Geschichte: Die Antwort auf diese Frage würde in einer Grundeinkommens-Gesellschaft von jedem Einzelnen eigenständiger und souveräner beantwortet. Darum geht es: Zuzulassen, dass die Menschen mehr selber darüber bestimmen, was sie tun und was sie nicht tun. Selbstbestimmung. Wer das nicht möchte, soll gegen das bedingungslose Grundeinkommen sein.

Wenn es ein bedingungsloses Grundeinkommen dann mal gibt, wird es sehr schnell selbstverständlich sein, so selbstverständlich wie ein Wasserhahn.

FK: Lässt sich mit dem Grundeinkommen langfristig Sicherheit schaffen? Eine Kürzung/Streichung können die Menschen ja nicht ausschließen.

Das ist eine oft im Ausland gestellte Frage. Deshalb nochmal der Bezug zur Schweiz, wo diese Frage eher nicht gestellt wird, weil hier klar ist, dass wir – die Bürgerinnen und Bürger – der Souverän sind. Es gibt also nichts über uns, dem wir misstrauen könnten. Finanziell gesehen wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen auf alle Fälle nachhaltiger als der heutige auf die Erwerbsarbeit abgestützte Sozialstaat. Ob uns ein bedingungsloses Grundeinkommen langfristig sicherer macht, hängt von den Aufgaben in Zukunft ab. Ich meine Ja, weil ich glaube, dass wir in Zukunft mehr selber denkende, kreative und eigenverantwortliche Menschen brauchen.

FK: Ist die Schweiz wirklich eine Insel der Seligen, in der die Bürgerinnen und Bürger nichts über sich haben, dem sie misstrauen könnten? – Für die Situation in Deutschland, Griechenland, Portugal könnten Sie sicher andere Meinungen finden, viele Menschen misstrauen ihren Repräsentanten und deren Komplizenschaft mit der europäischen Austeritätspolitik, dem Ausverkauf öffentlichen Tafelsilbers, dem Raubbau an Natur und Bodenschätzen. Können die aufgeklärten, selber denkenden und kreativen Menschen diese Probleme lösen, die auch mit der 4. industriellen Revolution einhergehen?

Die Schweiz ist mindestens so kleinkariert und konservativ wie Deutschland oder ein anderes Land in Europa. Aber in der Schweiz gibt es direkte Demokratie. Es gibt die Selbstbestimmung als Narrativ. Die Demokratie ist Kultur und nicht Ohnmacht. Das zeichnet die Schweiz aus und macht sie zum europäischsten Land in Europa.»

Comments

  1. Es muss für Menschen sinnvollere Tätigkeiten geben können als gegen gute Bezahlung dafür zu arbeiten oder nachzusinnen wie man andere Menschen möglichst kostengünstig und effektiv umbringt oder wie man möglichst viele umweltschädliche Chemikalien verkauft.

    Wieso ist es gleichzeitig möglich, dass Menschen gut versorgt Geld für sich arbeiten lassen während andere selbst bei einer Arbeit mit 40 Stunden pro Woche es gerade mal so schaffen sich selbst und die eigene Familie zu versorgen? Hat das irgend was mit Christentum bzw. Gerechtigkeit zu tun?
    Wenn man also für Ungerechtigkeit ist, kann man natürlich dafür sein alles so zu lassen wie es ist, aber ich denke dass dies auf Dauer, vor allem Dank immer knapper werdender Ressourcen, nicht mehr lange so gehen kann, für kein Land dieser Welt, egal wie mächtig es derzeit ist oder auch nur zu sein scheint.

    Professor Gerald Hüther erklärt in zwei Vorträgen wie wir unser Menschenbild zum Positiven hin verändern können und gleichzeitig unseren und auch allen anderen Kindern ein besseres Leben ermöglichen können:

    Keiner kann Heilen oder Gesundmachen (50min)
    https://www.youtube.com/watch?v=SQEq9trlaEk

    Starke Eltern Starke Kinder Video Vortrag (1h33min)
    https://www.youtube.com/watch?v=ROehyMHtKDY

    Viele Menschen in Spanien haben in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts erlebt, dass ein anderes, besseres Leben in Frieden für alle möglich ist (jeder bekommt alles Nötige was man braucht, egal ob jung, alt, alleinerziehend, mit Familie, krank, gesund etc.) – und zwar in Form einer Anarchie (=ohne Hierarchie, aber mit Ordnung!):

    Die Utopie leben! Der Anarchismus in Spanien
    https://www.youtube.com/watch?v=zvF7PoB-438

    Es gibt immer große Probleme für viele Menschen, wenn Psychopathen Macht bekommen.

  2. Guten Tag

    Ja, Herr Häni: Sie werden Ihre Meinung wohl nie ändern. Man kann argumentieren und rationale Argumente vorbringen, und diese prallen an Ihnen ab wie Wassertropfen an Teflon.

    Das Interview ist wieder mal typisch „Häni“, das heisst weltfremd, radikal-reaktionär und Sowjetkommunistisch. Ein Betonkopf von Basel: Daniel Häni, Mitbegründer des Unternehmens Mitte und BGE-Fanatiker.

    Ja, es gab auch mal eine Rote ArmeeFraktion, die war nicht weniger radikal als Sie Herr Häni, die ihre Meinung mit Gewalt durchsetzen wollte. Es bleibt zu hoffen, dass Sie und andere BGE-Befürworter nicht in den terroristischen Untergrund abwandern und versuchen werden das BGE mit gewaltsamen Mitteln in der Schweiz zu pushen.

    Utopien waren bisher immer sehr gefährlich: die letzten, die wir hatten kosteten mehreren Duzend von Millionen von Menschen das Leben. Ein BGE würde sich ähnlich niederschlagen, ich erkläre Ihnen warum:

    Durch ein BGE wandern alle Leistungsträger aus dem Land ab, zurück bleiben die arbeitsfaulen Schmarotzer. Eine Tranche des BGEs wird sicherlich noch ausbezahlt werden können, und den Fleissigen abgenommen werden können, bevor diese das Land verlassen können. Nun sitzen alle diese BGE-Bezieher zu Hause und machen Nichts. Sie warten bereits auf die nächste BGE-Tranche, nächsten Monats. Nun kommt es so, dass kein Geld mehr eingetrieben werden kann, da niemand mehr Leistung erbringt. Der Staat rüstet auf und will mit Gewalt sein BGE eintreiben. Die Bürger gehen entweder in den Untergrund oder lassen die Staatsgewalt über sich ergehen. Der Staatsterror nimmt überhand und eine BGE-Diktatur ergreifft das Land, dies ist nicht konkret anderes als wir es in der Sowjetunion gesehen haben.

    Machen wir es kristallklar: Ich bin GEGEN Gewalt! Ich meine es gut, und will Frieden und Freiheit hier in der Schweiz. DESHALB kämpfe ich gegen ein Grundeinkommen, da ich überzeugt bin, dass dadurch die Gewalt kommt und die Freiheit abnimmt. Ich meine es gut.

    Vielleicht meinen Sie es auch gut, Herr Häni, destoweniger kann ich verstehen, warum Sie uns in die Misere führen wollen. Sie sind kein Historiker, Wissenschaftler oder Intelektueller, aber DAS sollte man schon wissen, dass es eine Sowjetunion und DDR und Stasi und Milizija gegeben hat, die Millionen von Menschen das Leben gekostet hat und den Menschen die Freiheit genommen hat.

    Mit Oliver Cromwell bitte ich Sie:
    „I beseech you, in the bowels of Christ, think it possible you may be mistaken.“
    Danke

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