Buddhistischer Mönch ruft zum Grundeinkommen auf

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Der buddhistische Mönch Thich Hue An hat einen kleinen Aufruf zur Idee des Grundeinkommens geschrieben:

 

Aufruf: Ein Weg in eine zukünftige Denk- und Lebensweise

In der Schweiz haben wir zurzeit durch die eidgenössische Volksinitiative  «Für ein bedingungsloses Grundeinkommen» die einmalige Chance, unsere Zukunft (für alle) menschenwürdiger zu ändern, das veraltete materialistische Denken hinter uns zu lassen und neue, zukünftige Wege zu gehen!

«Das bedingungslose Grundeinkommen»
Was soll das denn sein – und was hat dieses Thema mit «Spiritualität» oder mit Buddhismus zu tun? Ist es nicht ein rein politisches Anliegen?

Keineswegs: Denn jeder Mensch soll in Würde leben und arbeiten können. Ein allerdings etwas anderes Menschenbild (als das heute gängige) liegt dem zugrunde.

Immer mehr Menschen stehen am Arbeitsplatz unter Druck, Entlassungen führen zu Existenzängsten. Die Menschen, welche länger ohne Stelle sind, werden ausgegrenzt. Längerfristig wird nur noch ein kleiner Teil der Bevölkerung überhaupt eine bezahlte Anstellung erhalten.

Viele soziale Errungenschaften der 70er und 80er-Jahre wie z.B. die 40-Stunden-Woche oder 5 Wochen Ferien für alle wurden inzwischen wieder Stück für Stück abgeschafft – anstatt allgemein eingeführt und weiter ausgebaut.
Es ist Zeit, unsere Gesellschaft menschenwürdiger zu organisieren.

Warum arbeiten wir? Was bezeichnen wir als «Arbeit»?
Beim Wort «Arbeit» denken viele nur an Erwerbsarbeit, ans Geldverdienen.
Ein grosser Teil der Menschen ist leider gezwungen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, die man eigentlich nicht wirklich tun will, weil das, was man gerne arbeiten würde schlecht oder gar nicht bezahlt wird. Dass man seinen «Traumjob» ausüben darf ist bei weitem nicht die Norm.
Ich mag ein leidenschaftlicher Mönch sein – aber kann ich davon auch leben?

Für das Funktionieren unserer Gesellschaft ist aber auch viel andere Arbeit erforderlich, wie zum Beispiel die unbezahlte Haus- und Familienarbeit, welche häufig von Frauen gemacht wird.
Viele Menschen sind heute ohne Entlöhnung freiwillig tätig, besonders im sozialen Bereich. Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen wäre dies vermehrt möglich.
Arbeit und Einkommen sollten deshalb (mindestens teilweise) voneinander getrennt werden, ganz anders organisiert werden.

Arbeit ist nicht einfach nur produzieren und dadurch «Geld verdienen» –
Auch Mönche und Nonnen (die vielleicht nichts Verkäufliches «produzieren») arbeiten: Meditationen und Gebete für die Welt, spirituelles Training, Seelsorge usw. sind auch «Arbeit»…

Künstler, Schriftsteller oder Musiker brauchen oft längere kreative Phasen, um ihre Werke schaffen zu können. Auch dies ist echte «Arbeit»… Wird aber oft nicht als solche gewürdigt.

Das Grundeinkommen schafft Freiräume für Menschen: für mehr Bildung, für mehr Zeit bei der Familienarbeit, für sinnvollere Arbeit. Nicht zuletzt eben auch für spirituelle oder künstlerische Arbeit.
Es ist ein Weg in zukünftige Denk- und Lebensweisen!

Bitte unterzeichnen auch Sie die Unterschriftenbogen für die eidgenössische Volksinitiative «Für ein bedingungsloses Grundeinkommen»!

Wer sich wirklich für eine heilsamere, wieder menschlichere Zukunft interessiert, darf nicht an dieser Initiative vorbeigehen. Wir sollten keine Angst vor neuen Wegen haben, sondern mutig und wach Neues auf den Weg bringen!

Mit bester Empfehlung, Thich Hue An
www.phatmon.ch

Comments

  1. Jedenfalls ist es in der Schweiz, der nach aussen so gerne vorgegaukelten Hüterin der Menschenrechte und humanitären Traditionen, nicht weit her mit Menschenwürde und gegenseitigem Respekt. Einer jährlich im Wachsen begriffenen Zahl von Mitbürger/Innen werden hier die elementarsten Lebensgrundlagen entzogen. Ich denke da insbesondere auch an ausgesteuerte Langzeitarbeitslose und alle weiteren direkt von Armut betroffenen Mitbürger/Innen, welche von der schein-sozialen „Sozial“hilfe tagtäglich drangsaliert, schikaniert und unter Androhung grober wirtschaftlicher Gewalt (der Entzug des existenziellen Lebensminimums von 977 Franken gem. SKOS-Ansatz ist grobe wirtschaftliche Gewalt) sogar zu nicht oder völlig unzulänglich bezahlter Zwangsarbeit genötigt werden. Im zynischen Verwaltungsjargon wird dies „Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht“ genannt. De facto liegt hier der Straftatbestand der Nötigung vor, und zwar auf institutionell verankerter Ebene in zigtausendfachen Fällen. Dazu muss man sich wieder mal vergegenwärtigen, dass der Repressionsapparat „Sozial“hilfe auf Stufen Kantone, Städte und Gemeinden Jahr für Jahr Verwaltungs- und Durchführungskosten in Milliardenhöhe verursacht, welche aus Steuermitteln bezahlt werden… Dieses Unwesen gehört endlich abgestellt. Als passende Antwort einer verantwortungsbewusst und solidarisch denkenden Bürgerschaft müsste vor jedem einzelnen „Sozial“amt dieser Nation ein BGE-Unterschriftenstand permanent präsent sein.

    Eine weitere Gruppe sind die Betroffenen der zu einem staatlichen Unrechtsapparat verkommenen Invalidenversicherung, mittlerweile einem der grössten Schandmale unserer Nation. Was IV-Versicherte in den letzten Jahren alles erleiden müssen und wie ihre verfassungsmässigen Rechte mit Hilfe der Schreibtischtäter beim BSV und in der Politik systematisch ausgehebelt wurden, spottet jeder Beschreibung und ist eines humanitären Rechtsstaates völlig unwürdig.
    Gleichzeitig schämen sich unsere gut alimentierten Politiker nicht, auf internationalem Parkett von Einhaltung der Menschenrechte zu schwafeln. Diese Leute haben jede humanitäre und soziale Bodenhaftung längst verloren.

    Wenn es gelingt, all die hierzulande von zunehmender staatlicher und institutioneller Diskriminierung und Repression betroffenen Personen besser zu vernetzen, wird die BGE-Idee noch ganz massiv an Kraft gewinnen. Es ist ein gewaltiges Potential, welches gegenwärtig leider noch weitgehend brach liegt, bis zu einer hoffentlich stattfindenden BGE-Abstimmung aber bestimmt noch besser erreicht und mobilisiert werden kann. Ganz nach dem Motto: Zusammen sind wir stark!

    • Da geht es der Schweiz ja nicht anders als Deutschland, hier wird auch alles mit Füssen getreten…Grundgesetz? Was ist das?

      Menschenwürde? Gibt man ab wenn man Hartz-IV beantragt….

      Schlimm zu sehen dass die Sozialhilfe in der Schweiz der Zwillingsbruder von Hartz-IV zu sein scheint….

      Wie kaputt eine Gesellschaft sein muss, um sowas zu tolerieren….
      (Aber immer fein mit dem Finger auf andere zeigen bei Menschenrechtsverletzungen)

  2. …Heike! wem hilfst Du mit dieser Aussage: „-wird ein steiniger, langer Weg-„? ist er nicht schon durch Millionen Menschen begangen worden? Nein- er soll jetzt, hier und heute geebnet werden! Also bitte, mache auch Du Dich auf und hilf mit!

  3. Die Fokussierung auf die Erwerbsarbeit führt ausserdem zu einer gefährlichen Bewertungsgrundlage für den „Wert eines Menschen“: Wie oft wird von einem „erfolgreichen Menschen“ gesprochen und man meint damit einen Menschen, der sich Geld erarbeitet hat. – Und die liebevollen Elter oder Pfleger, um nur ein Beispiel zu nennen, sind natürlich weniger „erfolgreich“, wenn sie z.B. ihrem Kind eine gute Lebensgrundlage liefern oder den Eltern den wohlverdienten Ruhestand im eigenen Heim? – Diese schwer arbeitenden Menschen befinden sich häufig an der Armutsgrenze und werden dann zudem von Grossteilen der Gesellschaft noch als minderwertig eingestuft, da sie ja kein Vermögen angesammelt haben. Eine gefährliche Tendenz.

    • Ich kann Dir nur voll zustimmen. Um das bedingungslose Grundeinkommen durchzusetzen wirds ein steiniger langer Weg. Der nur dann wirklich begriffen wir wenn sich die wirklichen Werte in den Gesllschaften verändern. Davon sind wir leider noch sehr weit entfernt. Vielleicht klappt es ja in der Schweiz weil da das Volk entscheidet! Und das haben sie schon oft getan.

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